Nach umstrittenen Aussagen Klimapolitik überflüssig? Forscher Mojib Latif widerspricht Gauland deutlich

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Klimaforscher Mojib Latif (l.) warnt vor den Aussagen von AfD-Chef Alexander Gauland. Fotos: imago (2)Klimaforscher Mojib Latif (l.) warnt vor den Aussagen von AfD-Chef Alexander Gauland. Fotos: imago (2)

Hamburg. AfD-Chef Alexander Gauland behauptet, der Mensch könne nichts gegen den Klimawandel tun – vom Experten Mojib Latif wird er dafür kritisiert.

Das Wetter spielt seit Jahren verrückt: Regenströme, Fluten sowie Orkane im vergangenen Jahr und nun anhaltende Hitze und Dürre. Darunter zu leiden haben alle Menschen, aber verursacht haben sie es nach Meinung von AfD-Chef Alexander Gauland auf jeden Fall nicht: "Wir glauben nicht, dass das sehr viel mit dem CO2-Ausstoß durch die Industrieproduktion oder durch menschliches Tun zu tun hat", sagte Gauland am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. 

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Folglich gibt es nach Auffassung des 77-Jährigen auch nichts, was der Mensch tun könnte, um den Klimawandel aufzuhalten: "Ich glaube nicht, dass es gegen den Klimawandel irgendetwas gibt, was wir Menschen machen können", so Gauland, und weiter: "Wir hatten früher Heißzeiten, wir hatten früher kalte Zeiten, längst vor der Industrialisierung." 



"Heute kann man solche Thesen einfach ins Netz stellen"

Da ist der bekannte Klimaforscher Mojib Latif, Professor für Ozeanzirkulation und Klimadynamik in Kiel, jedoch gänzlich anderer Meinung und verurteilt die Aussagen des AfD-Politikers: "Natürlich ist der Mensch der Hauptverursacher des Klimawandels. Die namhaften Klimaforscher, die von Herrn Gauland und Trump immer wieder zitiert werden, um ihre Aussagen zu stützen, existieren nicht", so der 63-Jährige. Stattdessen verweist er auf kürzlich veröffentlichte amerikanische Studien, die belegen, dass die letzten vier Jahre mit Abstand die wärmsten seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert waren.

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Die Aussagen von Alexander Gauland machen den Klima-Experten Latif beinahe sprachlos: "Was soll man dazu sagen, das sind postfaktische Zeiten, in denen wir leben. Heute kann man solche Thesen einfach unwidersprochen ins Netz stellen, was einen gefährlichen Multiplikator darstellt.", sagt Latif. Daher sei es umso wichtiger, dass die anderen Parteien sich nicht davon treiben lassen und sich klar gegen diese Aussagen von Gauland aussprechen. Das hatte etwa Grünen-Parteichefin Annelena Baerbock unmittelbar nach dem ZDF-Interview auch getan. Baerbock: Herr Gauland könne x-mal die Klimakrise für irreal erklären, die Arktis schmelze sehr real.


Die größte Gefahr in den Aussagen von Gauland sieht der Klimaforscher im anhaltenden Stillstand. "Es ist die größte Gefahr und das schlimmste was passieren kann, wenn wir uns dort nicht weiterbewegen, weil die Mehrheit glaubt, wir könnten daran nichts ändern. Wir sind weltweit auf Platz sechs der größten Produzenten von Treibhausgasen! Pro Kopf verursachen Deutsche zehn Tonnen CO2-Emmissionen pro Jahr und damit fünfmal so viel wie beispielsweise Inder", betont Latif.

Die Politik habe auch Fortschritte bei den erneuerbaren Energien in Deutschland gemacht, indem sie bezahlbarer gemacht wurden. Latif hofft, dass die Dynamik bei den erneuerbaren Energien sich nun so beschleunigt, dass andere Energien nicht mehr benötigt werden – aktuell aber sei "Deutschland nicht glaubwürdig in der Klimapolitik", sagt Latif.


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