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12.08.2018, 17:55 Uhr KOMMENTAR

Der Souverän sollte beim Brexit das letzte Wort haben

Kommentar von Thomas Ludwig

Brexit-Gegner plädieren auf einem Boot auf der Themse in London für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Foto: David Mirzoeff/PA Wire/dpaBrexit-Gegner plädieren auf einem Boot auf der Themse in London für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Foto: David Mirzoeff/PA Wire/dpa

Osnabrück. In immer mehr Wahlkreisen in Großbritannien wünschen sich die Menschen einen Verbleib des Landes in der EU. Das darf die Politik nicht länger ignorieren. Sie sollte den Rechtsrahmen für ein zweites Referendum schaffen.

So langsam scheint es immer mehr Briten zu dämmern, dass ein Ausscheiden aus der EU mit erheblichen Nachteilen für das Land verbunden sein wird. Die extremen Brexitiers, allen voran Ex-Außenminister Boris Johnson, hatten die Bürger glauben gemacht, man könne der EU den Rücken kehren und gleichzeitig die wirtschaftlichen Vorteile des grenzenlosen Binnenmarktes genießen. Ein fataler Irrtum. Ein Drittstaat kann nicht die gleichen Rechte haben wie ein EU-Mitglied. Die Hoffnung, die nach dem Austritt gewonnene Autonomie mache Großbritannien weltweit politisch und ökonomisch stärker, ist eine Illusion.

Der Brexit ist das Resultat einer Kampagne egozentrischer Nationalisten, die in unverantwortlicher Art und Weise mit Halbwahrheiten und glatten Lügen die Menschen zum Leave-Votum verführt haben. Dabei war viel von der Souveränität des britischen Volkes die Rede, die es wieder zu erlangen gelte. Die jüngste Entwicklung in den Wahlkreisen zeigt: Nun sollte der Souverän tatsächlich auch das letzte Wort haben, entweder über eine Austrittsvereinbarung mit der EU und die damit verbundenen Bedingungen oder aber - wenn der Vertrag nicht rechtzeitig zustande kommt - über den harten Schnitt.

Angeblich ist Fairness eine typisch britische Charaktereigenschaft. Im Falle eines Exits vom Brexit könnte das entscheidend sein.


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