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12.08.2018, 16:13 Uhr KOMMENTAR ZU DANIEL GÜNTHER

Koalition mit Links: Ein Kieler macht die Welle

Kommentar von Katharina Ritzer

Pragmatisch und manchmal etwas unkonventionell gibt sich Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gerne - wie hier beim Heavy-Metal-Open-Air  in Wacken Anfang August oder wie am Wochenende mit seinen Äußerungen zu möglichen Koalitionen mit der Linken. Foto: dpa/Axel HeimkenPragmatisch und manchmal etwas unkonventionell gibt sich Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gerne - wie hier beim Heavy-Metal-Open-Air in Wacken Anfang August oder wie am Wochenende mit seinen Äußerungen zu möglichen Koalitionen mit der Linken. Foto: dpa/Axel Heimken

Osnabrück. Keine Scheuklappen für Koalitionen mit der Linkspartei empfiehlt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther seiner Union. Der Aufschrei der Parteifreunde war erwartbar, ebenso Günthers darauf folgende Relativierung. Die Masche hat in der Politik inzwischen Methode, meint unsere Kommentatorin.

Eigentlich hat der Ministerpräsident von der Förde ja nur gesagt, was jeder gute Demokrat unterschreiben kann: Wenn die Wahlergebnisse es erfordern, muss jeder mit jedem reden können, um irgendwie eine Regierung auf die Beine zu stellen. Dass Daniel Günther dabei auch eine Koalition seiner CDU mit der Linken nicht ausschließen mochte, war dabei sowohl logische Folge als auch kalkulierte Provokation.

Der so geschlossen wie getroffen aufheulende Chor seiner mehr oder weniger prominenten Parteikollegen, die im Gottseibeiuns-Modus eine Koalition mit Gysi, Wagenknecht & Co. von sich wiesen, war zu erwarten. Ebenso wie das geschmeidige Zurückrudern des Kielers, der sein Gedankenspiel von gestern jetzt doch gar nicht so gemeint hat und eigentlich ja nur die politischen Ränder auf beiden Seiten habe kleinhalten wollen.

Die Methode ist gerade Mode: Erstmal einen Testballon aufsteigen lassen, dann die Zahl der Pfeile zählen, die abgeschossen werden und am Ende alles so weit wie nötig relativieren. Und wer hat den Nutzen davon? In diesem Fall erstens der etwas blasse Kieler Regierungschef, der bundesweit eine gewisse Welle gemacht und damit an Statur gewonnen hat. Und zweitens die CDU, denn wenn das Unaussprechliche erstmal gesagt worden ist, dann tut es bei jeder weiteren Wiederholung immer ein bisschen weniger weh – und bei Bedarf kann es dann eben auch mit Links zur Macht gehen.


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