Günther über Merkels Zukunft Kieler Regierungschef sieht CDU-Spitze im Umbruch

Von Dieter Schulz

Kanzlerin und Shootingstar: Angela Merkel hat in Daniel Günther bisher einen treuen Unterstützer. Foto: dpa/Markus ScholzKanzlerin und Shootingstar: Angela Merkel hat in Daniel Günther bisher einen treuen Unterstützer. Foto: dpa/Markus Scholz

Osnabrück. Ende des Jahres will Angela Merkel noch einmal an die CDU-Spitze gewählt werden. Die Frage, wie es nach ihr weitergeht, beschäftigt die Partei trotzdem. Shootingstar Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, sieht die Nachwuchskräfte gut gerüstet.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht die Führungsspitze der Christdemokraten im Umbruch. „Es ist nie jemand allein die Zukunft einer Partei“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion mit Blick auf die CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Wir haben viele neue Ministerpräsidenten. Wir haben ein Bundeskabinett, das auf CDU-Seite mit jungen Frauen und Männern fast völlig umgebildet wurde“, gab Günther zu bedenken. „Daher glaube ich, Angela Merkel bereitet alles vor, damit die CDU auch nach ihr eine erfolgreiche Zukunft hat.“

Nachwuchshoffnung und Merkel-Freund

Günther selbst zählt seit seinem Wahlsieg im Mai 2017 auch auf Bundesebene zu den Nachwuchshoffnungen seiner Partei. In unionsinternen Auseinandersetzungen hatte er sich stets auf die Seite Merkels gestellt – zuletzt im Streit um Zurückweisungen von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen.

Zur seit Längerem schwelenden Debatte um die Nachfolge der Parteichefin sagte der 45-Jährige nun: „Niemand wird bestreiten, dass es eine Zeit geben wird, in der sie nicht mehr Bundesvorsitzende und Kanzlerin sein wird, und das weiß sie auch.“ Merkel will sich Anfang Dezember beim Bundesparteitag in Hamburg als CDU-Chefin zur Wiederwahl stellen.

„Herz schlägt für Schleswig-Holstein“

Eigene bundespolitische Ambitionen wies Günther, der auch CDU-Landesvorsitzender ist, zurück. „Mein Herz schlägt für Schleswig-Holstein, und dass ich bundesweit ein wenig aktiv bin, kommt unserem Land auch zugute“, sagte er. In einer Umfrage wurde der Kieler Regierungschef jüngst zum zweitbeliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands gekürt – nach gerade einmal einem Jahr im Amt: Zwei Drittel der Schleswig-Holsteiner zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden.

Den personellen Umbruch sollte die CDU nach Günthers Ansicht nutzen, um deutlich mehr wichtige Posten mit Frauen zu besetzen. „Es ist meine feste Überzeugung, dass eine Partei in allen Führungsämtern zur Hälfte von Frauen repräsentiert werden muss. Dafür kämpfe ich – auf kommunaler, auf Landes- und auf Bundesebene“, bekräftigte er.

Mehr Frauen als Direktkandidatinnen

Als Chef der Nord-CDU sei sein Ziel, bei der nächsten Landtagswahl 2021 viel mehr Direktkandidatinnen in den Wahlkreisen aufzustellen: „Ich will, dass die nächste Landtagsfraktion zur Hälfte aus Frauen besteht.“ Derzeit hat die 25-köpfige CDU-Fraktion in Kiel lediglich vier weibliche Mitglieder.

Das Modell der Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein hält Günther nach gut 13 Monaten für gefestigt. Die derzeit einzige Landesregierung aus CDU, Grünen und FDP sei „ein Stück moderne Politik“, sagte er: „Der Pragmatismus, der Jamaika auszeichnet, entspricht dem, was Menschen von Politik erwarten. Die Erwartungshaltung ist doch: Regiert ordentlich. Und das ist das Geheimnis von Jamaika, wir wollen alle daran mitarbeiten, ohne die Unterschiede zwischen CDU, FDP oder Grünen zu übertünchen.“

„Brauchen Sozialdemokratie als Kontrapunkt“

In Berlin war der Versuch, nach der Bundestagswahl eine Jamaika-Koalition zu schmieden, im vorigen November am Ausstieg der FDP gescheitert. Nach der folgenden Neuauflage der Großen Koalition im Bund sackte der Juniorpartner SPD in Umfragen auf unter 20 Prozent ab. Auch in Schleswig-Holstein, wo die SPD in der Opposition ist, liegt sie derzeit bei historisch schlechten Werten. Für ihn sei das kein Grund zur Freude, erklärte Günther: „Wir brauchen für eine funktionierende Demokratie einen Kontrapunkt, da wünsche ich mir in der Sozialdemokratie einen stärkeren Gegner.“


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