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10.08.2018, 18:15 Uhr KOMMENTAR

Der Westen muss den Saudis im Jemen Einhalt gebieten

Kommentar von Thomas Ludwig

Ein jemenitischer Junge wird medizinisch versorgt, nachdem er einen Luftangriff auf einen Schulbus überlebt hat. Viele seiner Freunde starben. Foto: Abdulkareem Al-Zarai/dpaEin jemenitischer Junge wird medizinisch versorgt, nachdem er einen Luftangriff auf einen Schulbus überlebt hat. Viele seiner Freunde starben. Foto: Abdulkareem Al-Zarai/dpa

Osnabrück. Raketen töten Kinder im Schulbus - das sorgt international für Bestürzung und Bedauern. Doch es klingt hohl. Denn seit Jahren schaut der Westen geflissentlich über den Krieg im Jemen hinweg. Das muss ein Ende haben.

UN-Chef Antonio Guterres hat den Luftangriff saudischer Streitkräfte auf einen Schulbus mit Dutzenden Toten im Jemen verurteilt. Die Bundesregierung auch. Traurig sei das, sehr bedauernswert. Ach ja? Die Vereinten Nationen äußern seit Jahren Empörung über das Elend im Jemen – wie auch Deutschland und viele andere Staaten weltweit. Doch was tragen sie zur Befriedung bei? Zu wenig.

Der Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Alle Appelle an die Beteiligten, sich im Krieg zivilisierter zu zeigen und Völkerrecht zu achten, klingen so bemüht wie heuchlerisch.

Kinderleichen als Kollateralschaden?

Jahrelang wurden die Saudis mit westlichen Waffen aufgerüstet – auch aus Deutschland. Die Lieferung von Patrouillenbooten steht noch aus. Davon sollte Berlin angesichts der jüngsten Entwicklung absehen. Denn auch Patrouillenboot lassen sich im Krieg strategisch einsetzen, beispielsweise bei Meeresblockaden, wie es sie an der der Küste des Jemen bereits gegeben hat.

Mehr noch sollte sich Deutschland für internationale Sanktionen gegen Saudi-Arabien stark machen. Denn tote Kinder sind nicht einfach bedauerliche Kollateralschäden. Angriffe auf Zivilisten haben im Jemen-Krieg längst Methode und gehören zur Zermürbungsstrategie.

Millionen Kinder sind Opfer. Da wächst eine Generation heran, die verstümmelt ist an Leib oder Seele. Die Zukunft des Jemen als „gefallener Staat“, in dem sich Milizen und Extremisten die Bürger zur Beute machen, ist programmiert – auch dank der Tatenlosigkeit der westlichen Gemeinschaft, die so viel auf ihre Werte hält.

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