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Streit um festgehaltene US-Bürger Trump verdoppelt Strafzölle – Türkei kündigt Vergeltung an

Von dpa

Nach der Erhöhung der Strafzölle verlor die Türkische Lira stark an Wert. Foto: dpa/Can MereyNach der Erhöhung der Strafzölle verlor die Türkische Lira stark an Wert. Foto: dpa/Can Merey

Washington/Istanbul. Es ist ein weitere Katastrophentag für die Lira. Der Finanzminister stellt Maßnahmen vor, um die angeschlagene Wirtschaft retten und Märkte zu beruhigen - gleichzeitig beschuldigt Staatspräsident Erdogan den Westen. Und dann verschärft US-Präsident Trump auch noch Strafzölle.

Nach einer neuen Eskalation zwischen der Türkei und den USA hat sich der Verfall der türkischen Landeswährung Lira rasant beschleunigt. Die türkische Lira hat am Freitag angesichts neuer US-Sanktionen gegen die Türkei und Zweifeln an der Handlungswilligkeit der türkischen Regierung 19 Prozent an Wert verloren. Der Dollar stieg am Nachmittag auf ein neues Rekordhoch - für einen Dollar wurden 6,87 Lira fällig. Ein von Finanzminister Berat Albayrak vorgestelltes Maßnahmenpaket für die angeschlagene türkische Wirtschaft hatte Investoren nicht überzeugt und die Verunsicherung beschleunigt. Noch während Albayraks Rede kündigte US-Präsident Donald Trump zudem einen schärferen Kurs.

Trump teilte auf Twitter mit: "Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt." Die Beziehungen zur Türkei seien nicht gut. Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger. Die Affäre hatte zum Absturz der Lira stark beigetragen.

Zuvor hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Westen für den Verfall der Lira verantwortlich gemacht und die Bevölkerung aufgerufen, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen. Er sprach erneut von einem "Wirtschaftskrieg" und erhob den Westen zum Feindbild. "Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken", sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt am Freitag. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein. Die Krise sei "künstlich".

Neuer Tiefststand

Albayrak betonte, die Regierung unterstütze voll eine "unabhängige Geldpolitik". Sie wolle das Vertrauen in die Lira verbessern und werde die Inflation effektiv bekämpfen. Außerdem werde das Budget gestrafft. Wie genau die Regierung das anstellen will, ging aus der vage gehaltenen Rede aber nicht hervor.

Gegenüber dem Euro hat die Lira seit Januar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Am Morgen war sie auf einen neuen Tiefststand gestürzt. Im Handel mit dem Euro wurden erstmals mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt.

Die Währungskrise in der Türkei hat am Freitag auch die Wall Street belastet. Der beschleunigte Kursverfall löste Unruhe an den Finanzmärkten aus. Befürchtet wird, dass sich viele türkische Kreditnehmer nicht ausreichend gegen den Kursverfall der heimischen Lira abgesichert haben könnten. Somit könnten Zahlungsprobleme bei den auf Euro oder Dollar laufenden Krediten drohen.

Türkei kündigt Vergeltung an 

Am Freitagabend verschärfte Ankara noch einmal den Ton und kündigte Vergeltung an. In einer Stellungnahme aus dem Außenministerium betonte Sprecher Hami Aksoy am späten Freitagabend, die USA sollten wissen, dass sie Kooperation nicht mit Sanktionen und Unterdrückung erreichen könnten. Sie schadeten der Beziehung zwischen der Türkei und den USA. Es werde auf alle Schritte gegen die Türkei eine Antwort geben, hieß es in dem Schreiben weiter. 


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