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09.08.2018, 19:56 Uhr KOMMENTAR

Wohlfühloase für’s Ego – das Geschäft mit dem Tinder-Wisch

Kommentar von Thomas Ludwig

Tinder ist für die Betreiber ein lohnendes Geschäft. Foto: dpaTinder ist für die Betreiber ein lohnendes Geschäft. Foto: dpa

Osnabrück. Die mobile Dating-App wächst und wächst - zuletzt hat sich der Umsatz von Tinder mehr als verdoppelt. Schon peilt der Betreiber Match Group 800 Millionen Dollar Umsatz an. Jede Gesellschaft bekommt die App, die sie verdient.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ – wer mal einen Blick auf die Dating-App Tinder geworfen hat, fühlt sich an das Märchen von Aschenputtel erinnert. Einfache Auslese, wisch und weg. Bei immer mehr jungen Erwachsenen und Junggebliebenen kommt das an. Wischen zwei potenzielle Partner das Konterfei ihres Erwählten nach rechts von ihrem Handy, entsteht ein Match - und die eigentliche Anbahnung der Liasion kann beginnen.

Interessant zu wissen: Laut einer Studie hat beinahe jeder zweite Tinder-Nutzer überhaupt kein echtes Interesse an einem realen Kontakt. Viele Frauen und Männer sind schon damit zufrieden, wenn Unbekannte sie überhaupt attraktiv finden, also nach rechts wischen. Und: Wie herrlich ist es doch, dem Poser mit der Sonnenbrille und dem geschmacklosen Tattoo auf dem Bizeps eins auszuwischen, indem man ihn einfach nach links vom Handy fegt. So wird die digitale Kontaktbörse zum kurzweiligen Zeitvertreib der Selbstinszenierung und -bestätigung.

Machtvoll: Dem Poser eins auswischen

Die Sehnsucht, wahrgenommen zu werden, trifft auf einen Markt der Eitelkeiten. Tinder bietet den Menschen die Chance, ihren Marktwert unkompliziert zu testen. War es einst uncool, überhaupt Hilfe bei der Partnersuche in Anspruch zu nehmen - egal, ob analog oder digital - gehört es heute fast schon zum guten Ton.

Übrigens: Im Märchen bekommt Aschenputtel bekanntlich ihren Traumprinzen. Und auch bei Tinder gibt’s ein Happy End – vielleicht nicht für jeden, der mitmacht, aber zumindest für das Unternehmen und seine Aktionäre. Jede Gesellschaft bekommt die App, die sie verdient.


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