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09.08.2018, 16:41 Uhr KOMMENTAR

Abtreibungen in Argentinien bleiben illegal: Aus der Zeit gefallen


Aktivisten demonstrieren vor einem mobilen Absperrgitter, nachdem eine Initiative zur Legalisierung der Abtreibung gescheitert ist. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpaAktivisten demonstrieren vor einem mobilen Absperrgitter, nachdem eine Initiative zur Legalisierung der Abtreibung gescheitert ist. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Osnabrück. Es sah aus, als würde Argentinien eines der wenigen Länder Lateinamerikas mit einem Recht auf Abtreibung. Doch der Senat hat das Gesetz nun doch abgelehnt. Doch die Debatte geht weiter – gut so.

Dreizehn Stunden hat der Senat in Argentinien über den Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen debattiert. Es war eine hitzige, emotionale Diskussion, an deren Ende die Ablehnung des Entwurfs stand. Schade. Denn damit werden Hunderttausende Frauen weiter kriminalisiert.

Bis zu vier Jahre Haft drohen Frauen, die in Argentinien illegal eine Abtreibung vornehmen lassen. Jahr für Jahr wagen dennoch eine halbe Million von ihnen diesen Schritt. Ihre Notlage treibt sie in die Hände dubioser Engelmacher, Komplikationen nach unsachgemäß durchgeführten Abtreibungen gelten als Haupttodesursache für Mütter in Argentinien. Der Senat hätte diese Tragödie beenden können.

Natürlich ist es unabdingbar, für Abtreibungen klare und enge Grenzen zu ziehen. Entsprechende Gesetze durchzusetzen, ist gerade im katholisch geprägten Argentinien nicht leicht. Und weil es im wahrsten Wortsinn um Leben und Tod geht, müssen auch die Argumente der Abtreibungsgegner ernstgenommen werden.

Ernstnehmen muss man jedoch auch die Frauen. Keine von ihnen macht sich die Entscheidung für eine Abtreibung leicht. Dass der Staat ihnen jede Hilfe verweigert, ist nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern ein Skandal. Die Proteste dagegen gehen weiter. Gut so.


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