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07.08.2018, 17:46 Uhr KOMMENTAR

Abgehängt in einem reichen Land – eine bittere Bilanz

Kommentar von Uwe Westdörp

Wenn das Geld nicht reicht: An Millionen von Bürgern geht der Aufschwung in Deutschland nach wie vor vorbei. Foto: dpaWenn das Geld nicht reicht: An Millionen von Bürgern geht der Aufschwung in Deutschland nach wie vor vorbei. Foto: dpa

Osnabrück. Nach Einschätzung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind weite Teile der Bevölkerung vom wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland ausgeschlossen. Welch ein Armutszeugnis für das ganze Land. Ein Kommentar.

Die guten Nachrichten zuerst: Deutschland erlebt einen anhaltenden Aufschwung. Die Wirtschaft brummt. Die Zahl der Erwerbstätigen ist auf über 44 Millionen gestiegen. Reallöhne und Kaufkraft vieler Arbeitnehmer steigen. Es ist eine große Erfolgsgeschichte, die allerdings einen verstörenden Schönheitsfehler hat: Das Land schafft es einfach nicht, grundlegende soziale Problem zu lösen.

Es ist und bleibt ein Armutszeugnis, dass die Zahl der Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, immer noch steigt. Mittlerweile sind es 7,9 Millionen. Mehr als ein Fünftel der Erwerbstätigen ist im Niedriglohnsektor beschäftigt, verdient mithin weniger als 10,50 Euro in der Stunde. All diese Menschen müssen sich einschränken. Alle sind sie abgehängt vom allgemeinen Aufschwung in einem der reichsten Länder der Welt.

Es ist deshalb gut, wenn Sozial- und Wohlfahrtsverbände sowie Gewerkschaften immer wieder den Finger in die Wunden legen. Die Bundesregierung muss im Bereich Arbeit und Soziales noch sehr viel mehr tun als bisher.

Richtig ist aber auch: Der wirksamste Schutz gegen Armut und Armutsgefährdung ist und bleibt ein fair bezahlter und fester Job. Es geht folglich nicht nur um Rentenleistungen und Hartz IV, sondern auch um die Aktivierung nicht Arbeitender sowie um Qualifizierung und Weiterbildung.


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