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Aufstieg, Fall und Verschwörungstheorien Die Templer: Popstars unter den Rittern des Mittelalters

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Das rote Kreuz auf dem weißen Gewand war das Markenzeichen der Tempelritter. Ihr Mythos wird auch 700 Jahre nach ihrer Auflösung wachgehalten – wie hier, bei den Ritterspielen in Hannover. Archivfoto: Holger Hollemann/dpaDas rote Kreuz auf dem weißen Gewand war das Markenzeichen der Tempelritter. Ihr Mythos wird auch 700 Jahre nach ihrer Auflösung wachgehalten – wie hier, bei den Ritterspielen in Hannover. Archivfoto: Holger Hollemann/dpa

Osnabrück. Im Mittelalter gab es zahllose Ritterorden. Um einen ranken sich bis heute Mythen und Legenden: Die Tempelritter sollen sagenhafte Schätze besessen haben und wurden auf spektakuläre Weise vernichtet.

Der Großmeister einer geheimen Bruderschaft, ermordet im menschenleeren Louvre in Paris – so beginnt "Da Vinci Code", die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Dan Brown. Noch im Sterben hinterlässt der alte Mann kryptische Hinweise, die auf das Geheimnis des Heiligen Grals hinweisen, "die größte Vertuschung in der Geschichte der Menschheit", so der Tenor des Films.

Der heilige Auftrag

Reine Fiktion, oder steckt doch etwas Wahrheit in dieser Geschichte? Sicher ist, dass der heilige Gral zahlreiche Roman- und Drehbuchautoren inspiriert hat. Je nach Legende handelt es sich dabei um einen wertvollen, oder sogar magischen Kelch. Seine Geschichte ist eng mit dem sagenhaften Aufstieg und beispiellosen Fall der Tempelritter verknüpft. Im Jahr 1119 taten sich französischen Adelige als "Ritter vom Tempel des Herrn zu Jerusalem" zusammen und gelobten, in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben. Der Orden bekam vom König Jerusalems die Aufgabe, die christlichen Pilger im Heiligen Land auf ihrer Reise vor Überfällen zu beschützen. Dafür durften die Tempelritter unter anderem im Königspalast und in der berühmten Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg wohnen.

Dort sollen sie der Legende nach auch auf die sagenumwobene Bundeslade Salomons und den Heiligen Gral gestoßen sein. Historisch belegbar ist nur, dass die Templer im Laufe der Zeit immer großere Reichtümer anhäuften. Finanzielle und personelle Unterstützung für ihren heiligen Auftrag bekamen sie vor allem vom Adel Europas. Nach Schätzungen, etwa des Historikers Jürgen Sarnowsky, soll der Orden im 13. Jahrhundert mit seinen rund 7.000 Mitgliedern mehr als 870 Burgen, Verwaltungsbezirke, die sogenannten Komtureien, und weitere Besitzungen auf dem ganzen Kontinent verwaltet haben.

Der Niedergang

Die Tempelritter überführten Geld für Kreuzfahrer und Pilgern ins heilige Land und wechselten überregionale Münzsorten. Auch halfen sie den europäischen Herrschen mit Anleihen aus, etwa um die Kreuzzüge zu finanzieren. Doch je länger der Orden bestand, desto mehr häufte sich die Kritik: Hochmütig, arrogant, macht- und geldgierig seien die Ordensbrüder, schrieben die Chronisten. 

Später wurde den Tempelrittern sogar Ketzerei und Sodomie vorgeworfen. Beim französischen König Philipp IV. – chronisch pleite, asketisch-religiös und mit großen Ambitionen im Mittelmeerraum – stießen die Vorwürfe auf offene Ohren. Er erzwang 1307 eine päpstliche Untersuchung der Vorwürfe und ließ alle französischen Tempelritter in einer Geheimaktion festnehmen. Viele Brüder wurden auf der Basis zweifelhafter Prozesse zum Tode verurteilt. 1312 ließ Papst Clemes V. den Orden offiziell auflösen. Der Großteil der Besitztümer ging an den Johanniterorden über. 

Die anderen Ritter

Aber es halten sich Spekulationen, die Templer hätten vor ihrer Vernichtung noch weitere Schätze verstecken können. Deswegen sollen später auch die englischen "Ritter der Tafelrunde" auf die Suche nach dem heiligen Gral gegangen sein. Bekannt ist die Geschichte unter anderem aus der Artus-Sage: Demnach versammelte König Artus Ritter als politischen Rat um einen runden Tisch, um sein Königreich Camelot zu regieren. Ob die Geschichte ein reales historisches Vorbild hatte, ist allerdings ungewiss.

Anders ist es beim Lazarus-Orden, der wie die Templer im 12. Jahrhundert als geistlich-ritterlicher Orden in Jerusalem gegründet wurde, und sich hauptsächlich der Pflege von Leprakranken widmete. Allgegenwärtige Spuren dieses Ordens sind der Begriff "Lazarett" und das gründe Kreuz als Symbol der Apotheker. Allerdings war das Ende dieses Ordens nicht annähernd so spektakulär, wie das der Templer. Er wurde 1830 vom französischen König ohne größere Gegenwehr aufgelöst.


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