Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
07.08.2018, 14:59 Uhr KOMMENTAR

Urteile im Missbrauchsfall Staufen: Lebenslanges Trauma

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Die wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Mutter wird aus dem Gerichtssaal gebracht. Sie muss für zwölf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Ihr Lebensgefährte bekam zwölf Jahre Gefängnis plus anschließende Sicherheitsverwahrung. Foto: Patrick Seeger/dpaDie wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Mutter wird aus dem Gerichtssaal gebracht. Sie muss für zwölf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Ihr Lebensgefährte bekam zwölf Jahre Gefängnis plus anschließende Sicherheitsverwahrung. Foto: Patrick Seeger/dpa

Osnabrück. Über das Darknet hatte eine Mutter ihren Sohn zum sexuellen Missbrauch angeboten, nun ist sie zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch ihr Lebensgefährte muss hinter Gittern. Ein entsetzlicher Fall, der viele Fragen aufwirft und der Konsequenzen haben muss.

Der Staufener Missbrauchsfall macht fassungslos. Wie kann es sein, dass eine Mutter ihr Kind zur Vergewaltigung anbietet? Wie kann sie es zulassen, dass ihr einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte sich dem Kind überhaupt nur nähert? Wie kann es sein, dass sie sich selbst an ihrem Kind vergeht? Und warum haben die Behörden so spät eingegriffen, obwohl es doch Hinweise gab?

Nun sind die Urteile gefallen, Mutter und Lebensgefährte müssen für mehr als zwölf Jahre hinter Gitter, er wird anschließend sicherheitsverwahrt, um die Allgemeinheit vor ihm zu schützen. Das ist wichtig und richtig.

Aber sind diese Urteile angemessen? Aus Sicht der Justiz ja. Auf emotionaler Ebene indes genügen sie nicht. Der Junge, das Opfer, ist gerade mal zehn Jahre alt. Er wird sein Leben lang mit dem Trauma zu kämpfen haben.

Immerhin: Das Behördenversagen wird analysiert. Das ist auch zwingend notwendig. Offensichtlich braucht es bessere Strukturen, damit Derartiges nie wieder geschieht. Auch die Tatsache, dass Frauen, auch Mütter, Täterinnen sein können, muss in den Amtsstuben bewusster werden. Gerade weil diese Fälle so selten und zugleich so perfide sind, müssen die Verantwortlichen nicht nur über Fachwissen, sondern auch über genügend Sensibilität verfügen, um sie zu erkennen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN