Koch und Kellner Forsa-Chef: Grüne können SPD den Rang ablaufen

Von Uwe Westdörp


Osnabrück. Wer ist Deutschlands beliebtester Ministerpräsident? Darauf gibt es eine klare Antwort: Winfried Kretschmann von den Grünen liegt mit großem Vorsprung auf Platz eins. Auch bundesweit läuft es gut für die Grünen – so gut, dass Meinungsforscher Manfred Güllner eine neue Rangordnung der Parteien erwartet.

Forsa-Chef Manfred Güllner sieht die Grünen weiter im Aufwind und schließt nicht aus, dass sie der SPD den Rang ablaufen. Güllner sagte unserer Redaktion: „Bei SPD und Grünen könnten sich die Größenverhältnisse auch auf Bundesebene bald umdrehen. Um ein Bild von Gerhard Schröder abzuwandeln: Die Grünen haben die Chance, Koch zu sein, während sich die Sozialdemokraten mit der Rolle des Kellners anfreunden sollten.“ In Baden-Württemberg habe sich bereits gezeigt, wohin die Entwicklung gehen könne: Dort stelle nicht mehr die CDU den Ministerpräsidenten, auch nicht die SPD, sondern es seien die Grünen mit Winfried Kretschmann.

Wie sich die Zeiten ändern: Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte gleich zu Beginn von Rot-Grün im Bund klargemacht, wer das Sagen hat: „Der Größere ist der Koch, der Kleinere der Kellner.“ Die Sozialdemokraten hatten 1998 noch 40,9 Prozent der Stimmen bekommen, die Grünen 6,7 Prozent.

Doch das ist lange her. Heute haben die Grünen ein größeres Wählerpotenzial als die FDP und ein mindestens genauso großes wie die SPD, so Güllner. Der Forsa-Chef spricht von einer neuen Generation pragmatisch orientierter grüner Wähler. Und er betont: „Ein Typus wie der gemäßigte Parteichef Robert Habeck passt genau zu diesen neuen Wählern.“

Dagegen können die Sozialdemokraten ihr Potenzial nicht ausschöpfen, wie der Forsa-Chef betont. „Mögliche SPD-Wähler werden durch die real existierende SPD daran gehindert, für die Sozialdemokraten zu stimmen. Es fehlt vor allem an attraktiven Kandidaten. Politiker wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sind nur Ausnahmen.“

Die SPD hat laut Güllner die Wählerreserve in der Mitte verloren. 1998 hätten noch 20 Millionen die SPD gewählt. 2009 seien es nicht einmal mehr zehn Millionen gewesen und aktuell seien es noch deutlich weniger. „Viele Mitte-Wähler haben früher Helmut Schmidt gewählt, später Gerhard Schröder. Aber heute gibt es bei der SPD keine Person mehr, die diese Wähler bindet. Deshalb sagen die sich jetzt: So einer wie Robert Habeck von den Grünen, der ist eine Alternative.“

Im jüngsten ARD-„Deutschlandtrend“ kommen die Linken auf neun Prozent. Die Grünen liegen mit 15 Prozent nur noch drei Punkte hinter den SPD. Die weiteren Werte: Union 39 Prozent, AfD 17, FDP sieben.

Mit Kretschmann stellen die Grünen auch den beliebtesten Ministerpräsidenten. 74 Prozent der Baden-Württemberger sind mit seiner Arbeit zufrieden, lediglich 22 Prozent sind nicht zufrieden. Daniel Günther, erst seit einem Jahr Regierungschef in Schleswig-Holstein, hat im RTL/n-tv-Trendbarometer Platz 2 erobert. Laut Forsa sind 66 Prozent mit ihm zufrieden, 26 Prozent sind es nicht. Auf Platz 3 folgt Stephan Weil (60/33 Prozent).

Ganz am Ende steht Ministerpräsident Markus Söder: 64 Prozent der Bayern sind mit seiner Regierungsarbeit unzufrieden, nur 31 Prozent äußern sich zufrieden. Gegenüber Juni hat Söder sieben Prozentpunkte an Zustimmung eingebüßt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN