Drohnen-Angriff auf Maduro Kolumbiens Präsident weist Vorwürfe nach möglichem Attentat zurück

Von dpa

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Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (l.). Foto: Cesar Carrion/Presidencia Colombia/dpaKolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (l.). Foto: Cesar Carrion/Presidencia Colombia/dpa

Caracas. Die venezolanische Regierung sieht Juan Manuel Santos hinter dem Attentat. Doch der hatte "Wichtigeres zu tun".

Nach dem möglichen Anschlag auf den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat der kolumbianische Präsident und Friedensnobelpreisträger eine angebliche Beteiligung an dem Attentat von sich gewiesen. "An Präsident Maduro: Machen Sie sich keine Sorgen", schrieb Juan Manuel Santos am Montag auf Twitter. "Ich hatte am Samstag Wichtigeres zu tun. Wir haben meine Enkelin Celeste getauft."

Maduro warf seinem Kollegen Santos vor, der Drahtzieher hinter dem vermeintlichen Attentat zu sein. "Ich hege keine Zweifel, dass dahinter ultrarechte Kreise in Venezuela gemeinsam mit ultrarechten Kräften Kolumbiens und Juan Manuel Santos stecken", sagte der autoritär regierende Sozialist.

Santos Amtszeit endet am Dienstag. Er hat bereits angekündigt, dass er sich künftig aus der Politik heraushalten und sich vor allem seiner neuen Aufgabe als Großvater widmen wird.

Ermittler haben eigenen Angaben zufolge die Täter hinter dem Angriff identifiziert. "Es war ein versuchter Mord am Staatschef und ein versuchtes Massaker, denn an dem Ort des Geschehens waren die obersten Regierungsmitglieder und hohen Militärs", sagte Generalstaatsanwalt Tarek William Saab am Montag.

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist in Venezuela kaum möglich. Viele Menschen in dem verarmten Krisenland zweifeln generell am Wahrheitsgehalt amtlicher Mitteilungen.

Hausdurchsuchungen in Caracas

Sechs Verdächtige waren nach Angaben der Regierung bereits am Wochenende festgenommen worden. Am Montag durchsuchte der Geheimdienst Medienberichten zufolge ein Hotel in der Hauptstadt Caracas. Die Täter und Helfer sowie die internationalen Verbindungen seien bereits ermittelt worden, sagte Saab. Vier Staatsanwälte seien mit den Ermittlungen befasst.

Nach Regierungsangaben hatten die Täter am Samstag während einer Militärparade versucht, einen Bombenanschlag mit Drohnen auf Maduro zu verüben. Das Staatsfernsehen hatte den Moment übertragen, in dem eine Explosion zu hören war, während Maduro eine Rede hielt. Der Staatschef blieb unverletzt. Sieben Nationalgardisten erlitten nach offiziellen Angaben teils schwere Verletzungen.

Der Ex-Militär und Sicherheitsberater Cesar Guardiola veröffentlichte ein Video, auf dem eine bei dem vermeintlichen Anschlag verwendete Drohne zu sehen sein soll. Das Fluggerät kreist am Himmel, während im Hintergrund Maduros Rede zu hören ist. Kurz darauf explodiert die Drohne. Die Authentizität des Videos ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Zweifel an der offiziellen Attentatsversion

Zur Unklarheit trug eine Nachricht auf Twitter einer bisher unbekannten Widerstandsgruppe "Soldados de Franelas" (Flanell-Soldaten) bei. Sie habe den Anschlag verübt. Mitglieder seien "patriotische Militärs und Zivilisten". Wer die Mitteilung verfasste und ob es diese Gruppe wirklich gibt, ließ sich nicht überprüfen. Bei dem Attentat seien zwei Drohnen benutzt worden, die jeweils mit einem Kilo des Sprengstoffes C-4 beladen gewesen seien, sagte Innenminister Reverol. "Die Ladung kann Schäden in einem Radius von 50 Metern verursachen", erklärte er. Einer der Festgenommenen sei 2017 in einen Angriff auf eine Militärbasis involviert. Ein weiterer sei 2014 nach Protesten gegen die Regierung in Haft gewesen.

Ehemalige Militärs zeigten sich verwundert über die Umstände des Vorfalls. So sei auf der Straße Avenida Bolívar niemals zuvor eine Militärparade abgehalten worden, weil der Ort schlecht zu schützen sei. Auch die Reaktion der Sicherheitskräfte nach den Detonationen sei unprofessionell gewesen, sagte der frühere General Gonzalo García Ordóñez der Zeitung "El Nacional".

Am Montag wollten Tausende Regierungsanhänger in Venezuela auf die Straße gehen, um den regierenden Sozialisten ihre Unterstützung zu versichern. Kritiker befürchten, dass der Vorfall nun zur Verschärfung der Repressionen genutzt wird. "Wir warnen davor, dass dieses konfuse Ereignis als Ausrede genutzt werden kann, um das verfassungsmäßige Recht des Volkes auf Protest abzuschaffen", schrieb das Oppositionsbündnis Frente Amplio. 

Kritiker werfen Maduro vor, er wolle eine Diktatur errichten. Im Mai ließ sich der Sozialist für eine weitere fünfjährige Amtszeit bei einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigen.

Edgar Zambrano, Vizepräsident der Oppositionspartei AD, sagte: "Die Regierung will die Aufmerksamkeit von den Problemen des Landes, der humanitären Tragödie und der wirtschaftlichen Katastrophe ablenken." Venezuela leidet seit langem unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise.

Das Land mit den größten Ölreserven der Welt kämpft mit einer Hyperinflation, das heißt, die Preise steigen explosionsartig und das Geld verliert rasant an Wert. Zuletzt prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Die Wirtschaftsleistung könnte zudem um 18 Prozent einbrechen.


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