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06.08.2018, 17:48 Uhr KOMMENTAR

Wenn Kinder sich radikalisieren: Augenmaß statt Aktionismus

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Der Verfassungsschutz warnt vor Kindern, die radikalisiert und zur Gefahr werden könnten. Das wirft schwierige Fragen auf, etwa diese: Dürfen auch Kinder überwacht werden? Foto: Christian Charisius/dpaDer Verfassungsschutz warnt vor Kindern, die radikalisiert und zur Gefahr werden könnten. Das wirft schwierige Fragen auf, etwa diese: Dürfen auch Kinder überwacht werden? Foto: Christian Charisius/dpa

Osnabrück. Es ist ein besorgniserregender Gedanke: Wächst in Deutschland eine neue Generation von Islamisten heran? Tatsächlich warnen Verfassungsschützer genau davor. Doch Aktionismus oder Panik helfen nicht. Gefragt sind Maßnahmen mit Augenmaß.

Eines ist klar: Von Menschen, die aus den Kriegsgebieten im Irak oder in Syrien nach Deutschland zurückkehren, kann eine Gefahr ausgehen. Und so traurig es ist: Dies gilt auch für Kinder, die hierzulande in islamistischen Familien aufwachsen. Es ist also richtig, wenn Sicherheitsbehörden darüber nachdenken, die in den meisten Bundesländern übliche Altersgrenze von 14 Jahren für die Überwachung mutmaßlicher Islamisten herabzusetzen. Sind Teenager erst radikalisiert, könnten auch sie Gewalttaten von immensen Ausmaßen anrichten, und zwar unabhängig davon, ob sie nun elf, zwölf oder doch schon 14 Jahre alt sind.

Dennoch: Panik und Aktionismus sind keine guten Ratgeber. Stattdessen muss mit Augenmaß gehandelt werden. Konkret heißt das: Ohne begründeten Verdacht und ohne richterlichen Beschluss darf kein Kind ausgespäht werden. Auch sollten die führenden Köpfe der Sicherheitsbehörden auf ihre Wortwahl achten, damit eine berechtigte Warnung nicht zu einem fatalen Pauschalverdacht wird. Dies wäre für jene Kinder, die traumatisiert von Krieg und Gewalt bei uns Schutz suchen, geradezu verheerend.

Der beste Schutz vor Gewalt bleibt aber Prävention. Es gilt, genau hinzuschauen, wer zu uns kommt. Dazu braucht es sinnvolle Hilfsangebote und genug Experten, die potenzielle Gefahren frühzeitig erkennen und auch entschärfen können.


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