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06.08.2018, 17:32 Uhr KOMMENTAR

Modernisierung Saudi-Arabiens gerät bei Menschenrechten an Grenzen

Kommentar von Thomas Ludwig

Wie weit will und kann Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bei der Modernisierung des Landes gehen? Foto: Uncredited/Presidency Press Service/dpaWie weit will und kann Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bei der Modernisierung des Landes gehen? Foto: Uncredited/Presidency Press Service/dpa

Osnabrück. Trotz aller gesellschaftlicher Reformen im Land - beim Thema Menschenrechte und politische Mitbestimmung bleiben die Herrscher in Saudi-Arabien empfindlich. Das zeigt der diplomatische Streit mit Kanada.

Seit Monaten betreibt Saudi-Arabien Werbung in eigener Sache. Bis gestern lief es auch ganz gut. Der starke Mann im Land, Kronprinz Mohammed bin Salman, schien sich bei der Modernisierung des Königreichs geradezu zu überschlagen. Er hat Reformen angestoßen, die die Gesellschaft nachhaltig verändern dürften. Frauen ist es inzwischen erlaubt, Auto zu fahren, die männliche Vormundschaft wird gelockert. Und auch Kinos kehren ins Land zurück.

Dass Saudi-Arabien auf kanadische Kritik gleich mit der diplomatischen Keule antwortet - mit der Ausweisung des Botschafters und der Aussetzung des soeben erst verabredeten Handelsabkommens - ist also einigermaßen überraschend.

Es zeigt aber, wo die Empfindlichkeiten liegen. Es geht um Menschenrechte und darum, dass diese immer noch jenen vorenthalten werden, die den autokratischen Herrschaftssanspruch des Königshauses der Sauds nicht länger zu akzeptieren bereit sind.

Nimmt Kronprinz Mohammed bin Salman seinen eigenen Modernisierungsanspruch ernst, wird er Folgendes lernen müssen: Wer gesellschaftliche Freiheiten propagiert, wird früher oder späte mit Forderungen nach mehr politischer Teilhabe konfrontiert. Denn wo Frauen plötzlich ein Auto steuern dürfen, parken die Menschen auch im Kopf um.

Da sollte dann Platz auch für (Selbst-)Kritik sein.


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