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05.08.2018, 18:33 Uhr KOMMENTAR ZU DIENST FÜR ALLE

Ein Jahr dem Land dienen? Wichtige Debatte

Kommentar von Erhard Böhmer

Eine Dienstzeit für alle - beispielsweise in einem Altenheim - fordern Teile der CDU. Foto: dpaEine Dienstzeit für alle - beispielsweise in einem Altenheim - fordern Teile der CDU. Foto: dpa

Osnabrück. Forderungen aus der CDU nach einer Wiedereinführung der Wehrpflicht oder der Schaffung einer allgemeinen Dienstpflicht stoßen vor allem bei der Opposition auf Widerstand. Dabei hat die Idee ihren Charme.

Ohne Frage, es wäre ein gravierender Eingriff in die persönliche Freiheit. Bürgern, egal welchen Alters, einen Dienst zu verordnen, dafür brauchte es schon gewichtige Gründe. Eine siechende Bundeswehr, die über lange Jahre kaputtgespart nur beschränkt einsatzfähig ist, reicht allein nicht. Ein paar tausend junge Leute, die für kurze Zeit die Uniform tragen, sind für ein modernes Militär keine große Hilfe.

Ähnlich gelagert ist der Fall im Pflegebereich. Die Probleme sind Teil des Systems. Es fehlt an Geld und an qualifiziertem Personal. Dagegen hilft nur, die Jobs in der Branche attraktiver zu gestalten.

Es lohnt dennoch, den neu belebten Vorschlag für eine allgemeine Dienstpflicht zu diskutieren und ehrlich zu prüfen. Und das, obschon die verfassungsrechtlichen Hürden für eine staatlich verordnete Dienstzeit hoch sind. Für die persönliche Entwicklung fast aller jungen Leute wäre ein Jahr in sozialen Einrichtungen, im Katastrophenschutz, in Sportvereinen oder im Umweltschutz ein Gewinn. Gleiches gilt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das ehrenamtliche Engagement lässt an vielen Stellen so stark nach, dass viele Vereine und Verbände um ihre Existenz bangen. Die Debatte und die offenbar große Zustimmung über eine Dienstzeit belegt, dass der Wunsch nach mehr Zusammenhalt groß ist.


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