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05.08.2018, 17:09 Uhr CSU-CHEF IM SOMMERINTERVIEW

Seehofers neue Mission: Retten, was zu retten ist

Kommentar von Uwe Westdörp

Hält am Ziel der absoluten Mehrheit für die CSU fest: Parteichef Horst Seehofer, hier am Sonntag im ARD-“Sommerinterview“ in Berlin. . Foto: AFP/ John MacDougallHält am Ziel der absoluten Mehrheit für die CSU fest: Parteichef Horst Seehofer, hier am Sonntag im ARD-“Sommerinterview“ in Berlin. . Foto: AFP/ John MacDougall

Osnabrück. CSU-Chef Horst Seehofer (CSU) gibt sich zuversichtlich, dass seine Partei bei der Landtagswahl im Oktober die absolute Mehrheit in Bayern verteidigen kann. „Ich glaube fest daran“, sagte Seehofer im ARD-“Sommerinterview“. Besonders gut stehen die Chancen nach den aktuellen Umfragen aber nicht, wozu auch Seehofer selbst maßgeblich beigetragen hat. Ein Kommentar.

Man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Horst Seehofer, einst stolzer Ministerpräsident, hat diesen Zeitpunkt vor geraumer Zeit verpasst. Seither hatte er keinen guten Lauf, um es vorsichtig auszudrücken. Seine Zustimmungswerte sind jedenfalls im Keller und die seiner Partei auch. Umso hektischer versucht er jetzt, vor der Bayernwahl zu retten, was zu retten ist.

Das weitgehend fruchtlose Sommertheater, das Seehofer und andere CSU-Granden der Republik im Streit um Asylfragen zugemutet haben, lässt sich aber nicht mal eben mit ein paar Sommer-Interviews und Bierzelt-Reden vergessen machen. Aggressive Töne in der Asylpolitik, eine tiefe Regierungskrise, die Rücktrittsankündigung, dann der Rücktritt vom Rücktritt, die gezielte Verletzung der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und der zynische Spruch über 69 Abschiebungen an seinem 69. Geburtstag – Horst Seehofer hat in den vergangenen Monaten verbrannte Erde hinterlassen. Das ging so weit, dass enttäuschte Anhänger die Parteioberen mahnten, sich an das „C“ im Parteinamen zu erinnern.

Auch Markus Söder und andere CSU-Anführer sind für dieses Desaster mitverantwortlich. Doch Seehofer wird am Ende den Schwarzen Peter haben, wenn die CSU eine Wahlschlappe erleidet. Er wird’s dann maßgeblich gewesen sein. Und er wird dann gehen müssen.


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