Ein Bild von Katharina Ritzer
03.08.2018, 16:22 Uhr KOMMENTAR ZU GEHALTSUNTERSCHIEDEN

Angleichung der Gehälter: Linker Populismus

Kommentar von Katharina Ritzer

Ja, die Gehälter in Deutschland schwanken regional stark. Das tun die Lebenshaltungskosten aber auch. Foto: dpa/Oliver BergJa, die Gehälter in Deutschland schwanken regional stark. Das tun die Lebenshaltungskosten aber auch. Foto: dpa/Oliver Berg

Osnabrück. Die Verdienste der Arbeitnehmer in Deutschland gehen regional weiter stark auseinander und bleiben im Osten klar unter dem Niveau im Westen. Daraus aber, wie die Linke, die Forderung nach einer Angleichung abzuleiten, ist bewusst irreführend: So unterschiedlich wie die Gehälter sind eben auch die Lebenshaltungskosten. Ein Kommentar.

Legt man die Landkarten vom Durchschnittsverdienst der deutschen Arbeitnehmer und von Mietspiegeln oder Haus- und Grundstückspreisen übereinander, so findet man deutliche Übereinstimmungen. Der Durchschnittsverdienst ist in Hamburg zwar am höchsten, aber wer dort jemals eine Wohnung gesucht hat, der kann Geschichten von absurden Preisen erzählen. Und Mecklenburg-Vorpommern ist zwar Schlusslicht beim Verdienst, allerdings ist das Finden von bezahlbarem Wohnraum etwa in Neubrandenburg eben auch kein Problem.

Wenn die Linke die Gehaltsunterschiede nun „beschämend“ nennt und gleiche Löhne in Ost und West, Nord und Süd fordert, dann ignoriert sie mit Blick auf die Stammwählerschaft im Osten ganz bewusst die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten – Populismus kann eben auch von links kommen. Tatsächlich bilden die Unterschiede der Gehälter das reale Leben in Deutschland - zumindest weitgehend - ab.

Apropos Monatslohn: Die Managereinkünfte haben sich in Deutschland von der normalen Gesellschaft auf ungesunde Weise entkoppelt. Erinnert sei nur an das ehemalige VW-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt, die nach gerade mal 13 Monaten im Amt 12,5 Millionen Euro Abfindung plus eine Monatsrente von 8000 Euro kassiert hat, ganz legal übrigens. Hier liegt die Linke mit ihrer Kritik vollauf richtig. Und auch mit ihrem ganz praktischen Vorschlag, Vorstandsgehälter nur bis zu einer bestimmten Höhe als steuermindernde Betriebsausgaben anzuerkennen.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN