Integration von Muslimen Imam-Ausbildung wird Thema auf Deutscher Islam Konferenz

Von Thomas Ludwig

Imam und Gläubige - die meisten Vorbeter in Deutschland sind aus dem Ausland entsandt. Foto: Daniel Naupold/dpaImam und Gläubige - die meisten Vorbeter in Deutschland sind aus dem Ausland entsandt. Foto: Daniel Naupold/dpa

Osnabrück. Die Bundesregierung will das Thema Aus- und Weiterbildung von Imamen auf die Tagesordnung der Deutschen Islam Konferenz setzen. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

In dem Schreiben heißt es: „Die Bundesregierung misst einer in Deutschland verorteten universitären Imamausbildung große Bedeutung bei. Die Aus- und Fortbildung von Imamen wird nach derzeitigem Stand auch Gegenstand der Befassung in der künftigen Deutschen Islam Konferenz sein“. Deren Planung sei allerdings noch nicht abgeschlossen.

Predigern in den Moscheen kommt bei der Integration hiesiger Muslime eine wichtige Bedeutung zu. Doch viele der mehr als 2000 Imame in den deutschen Moschee-Gemeinden sind aus dem Ausland entsandt – vor allem aus der Türkei. In ihrer ersten Regierungserklärung im März 2018 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Auftrag mit auf den Weg gegeben, Strukturen für eine Imamausbildung auch in Deutschland zu schaffen. „Aus dem Bundesministerium des Inneren war davon bisher allerdings nichts zu hören. Es ist ein Fortschritt, dass die Weiterbildung von Imamen nun Thema bei der Deutschen Islam Konferenz sein soll“, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat unserer Redaktion. Die Planungen für die Deutsche Islam Konferenz sollten nun zügig vorangetrieben werden. „In Anbetracht der zunehmend feindlichen Stimmung gegenüber Muslimen in unserem Land ist hier auch Innenminister Seehofer persönlich gefordert“, mahnte Polat.

Vorbildliches Projekt in Osnabrück

Die grüne Bundespolitikerin aus dem Landkreis Osnabrück hatte die Berichterstattung in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 16. Juli zum Anlass genommen, bei der Bundesregierung nachzufragen, welche Maßnahmen diese unternommen habe, um die Ausbildung von Imamen in Deutschland voranzutreiben und welche Maßnahmen sie unternimmt, um bestehende Angebote zur Weiterbildung von Imamen, wie an der Universität Osnabrück zu erhalten. Die niedersächsische Landesregierung will Imame künftig staatlich ausbilden. Dazu gehört die Überlegung, an der Uni Osnabrück islamische Theologen auszubilden und analog zur Priesterausbildung in einem Imamseminar weiter zu qualifizieren.

„Wenn die Bundesregierung einer in Deutschland verorteten universitären Imamausbildung wirklich große Bedeutung beimisst, dann muss sie sich zu einer Fortsetzung der Imamweiterbildung an der Universität Osnabrück klar bekennen. Hier wurde acht Jahre lang gute und wichtige Arbeit geleistet. Das Pilotprojekt war sehr erfolgreich und sollte verstetigt werden“, sagte Polat unserer Redaktion weiter. Ihre Forderung: „Die Bundesregierung sollte der Großen Koalition in Niedersachsen unter die Arme greifen, um die Weiterbildung in Osnabrück zu ermöglichen.“


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