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Spionage Russische Agentin soll jahrelang in US-Botschaft gearbeitet haben

Von dpa

Die US-Botschaft in Moskau. Foto: dpa/Yuri Kochetkov/EPADie US-Botschaft in Moskau. Foto: dpa/Yuri Kochetkov/EPA

Washington/Moskau. Ein peinlicher Fall für die USA. Jahrelang soll eine russische Spionin in der US-Botschaft in Moskau gearbeitet haben. Eingestellt wurde sie ausgerechnet vom Secret Service.

Eine russische Spionin hat nach einem Zeitungsbericht jahrelang unerkannt in der US-Botschaft in Moskau gearbeitet. Erst vor kurzem sei die Frau von der US-Spionageabwehr enttarnt worden, berichtete der britische "Guardian" am Donnerstag. Da die Russin vom Secret Service eingestellt worden sei, habe sie über zehn Jahre lang Zugang zu geheimdienstlichen Informationen und E-Mails gehabt und diese auch an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB weitergegeben. Um einen Skandal und peinliche Untersuchungen zu verhindern, sei die Spionin im Sommer des Vorjahres "unauffällig" entlassen worden, berichtete der "Guardian" weiter.

Secret Service spielt Fall herunter

Der Secret Service relativierte der Zeitung zufolge den Fall. In einer Mitteilung erklärte er demnach, dass alle ausländischen Botschaftsmitarbeiter potenziell unter dem Einfluss ausländischer Geheimdienste stehen könnten. Dies gelte besonders für Russland. Grundsätzlich seien die Aufgaben solcher Mitarbeiter daher auf Übersetzungsarbeiten, kulturelle Beratung sowie administrative Aufgaben beschränkt. Zu keinem Zeitpunkt hätten ausländische Mitarbeiter in einem Büro des US-Geheimdienstes Positionen innegehabt, in der sie Zugang zu Sicherheitsinformationen gehabt hätten.

Neben dem Personenschutz für den US-Präsidenten unterliegt dem Secret Service auch die Strafverfolgung auf Bundesebene. Vertreter der Behörde sind auch an verschiedenen US-Botschaften im Ausland im Einsatz.

Mutmaßliche Spionin äußert sich nicht

Die mutmaßliche Spionin selbst reagierte demnach nicht auf zahlreiche Email-Anfragen des "Guardian". Auch das US-Außenministerium wollte sich zu dem konkreten Fall auf Anfrage des Blattes nicht äußern. In einer Mitteilung an den US-Sender CNN erklärte das Ministerium später, man sei sich bewusst, dass Mitarbeiter der US-Regierung wegen ihrer Rolle zum Ziel für ausländische Geheimdienste würden.

"Wir gehen davon aus, dass sie alle mit dem FSB reden. Aber sie hat ihm deutlich mehr Informationen gegeben, als sie hätte tun sollen", sagte ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter, der nicht genauer identifiziert wurde, dem CNN. Um die Spionin auf frischer Tat zu ertappen, habe man ihr spezifische Informationen gegeben und dann beobachtet, wie sie diese an den russischen Geheimdienst weiterleitete. "Sie hatte keinen Zugriff auf streng geheime Informationen", sagte der Regierungsbeamte dem Sender.

Nicht der erste Fall

Bei der mutmaßlichen russischen Spionin handelt es sich nicht um den ersten Fall. Erst Mitte Juli war in Washington eine Russin wegen der versuchten Infiltration von politischen Organisationen der Vereinigen Staaten festgenommen worden.

Die US-Justizbehörden werfen der 29-jährigen Maria Butina vor, von 2015 bis mindestens Februar 2017 unter Anweisung eines Moskauer Regierungsvertreters in den USA gearbeitet zu haben. Die Russin sei mit einem Studentenvisum eingereist und habe versucht, Organisationen zu infiltrieren, die Einfluss auf die amerikanische Politik hätten. Die US-Bundespolizei FBI hält das Studium nach eigenen Angaben für eine Tarnung der Agententätigkeit. Butina befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.


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