Bauern, Wälder, Badeseen Das sind die Opfer der Trockenheit

Von Dirk Fisser

Ein Maiskolben in der Sonne. Foto: Sebastian Kahnert/dpaEin Maiskolben in der Sonne. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Osnabrück. Kein Regen in Sicht – das lässt Landwirte und Waldbesitzer verzweifeln. Die Versicherungsbranche taxiert die Schäden mittlerweile auf mindestens zwei Milliarden Euro. Das sei „ein krasser Ausreißer nach oben“, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Berlin mit.

Der Bauernverband hatte zuvor Hilfszahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro ins Spiel gebracht. Die Bundesregierung reagierte zunächst zurückhaltend: Bis zum 8. August sollen die Länder Zahlen nach Berlin liefern, wie schlecht die Ernte tatsächlich ausfällt. Albert Stegemann, agrarpolitischer Sprecher der Union im Bundestag, unterstützt das. Er sagte: „Dieses Vorgehen halte ich für richtig. Es geht um Steuergelder und diese müssen gezielt und haushaltsrechtlich einwandfrei eingesetzt werden.“ Stegemann verwies darauf, dass die Bundesländer bereits jetzt Möglichkeiten zur Hilfe hätten. 

Der Bauernverband drängte die Landesregierungen zum schnellen Handeln. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: „Viele Bauern brauchen eine schnelle Unterstützung, um liquide zu bleiben. Noch ist Zeit, um Insolvenzen zu verhindern.“ Nach den Lagemeldungen aus den Landesbauernverbänden seien vielerorts die Voraussetzungen für Finanzhilfen klar erfüllt. „Die Bundesländer müssen jetzt zügig handeln und der Bund muss folgen“, so Rukwied. Unterdessen sagte die EU-Kommission zu, dass große Teile der EU-Agrarsubventionen früher ausgezahlt werden als üblich. Die Gelder machen auf vielen Höfen fünfstellige Beträge aus. 

Der Bauernpräsident betonte, dass die deutsche Landwirtschaft ihre Verantwortung in der Klima-Debatte sehr ernst nehme. „Wir wissen, dass auch wir Teil der Lösung sein müssen und wir handeln auch.“ Der Verband habe unter anderem eine Klimastrategie erstellt mit dem Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß der Landwirtschaft zu verringern. Zuletzt hatten Umweltverbände wie Greenpeace auf eine Mitschuld der Landwirtschaft am Klimawandel und damit letztlich an der jetzigen Dürre hingewiesen.

Die Waldbesitzer

Verheerend fallen nach Angaben der deutschen Waldbesitzer auch die Dürre-Schäden in den Wäldern aus. Verbandspräsident Georg Schirmbeck sagte unserer Redaktion: „Die Trockenheit soll noch mindestens eine Woche anhalten. Mittlerweile müssen wir von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen.“ Es seien dieses Jahr Bäume im Wert von etwa 500 Millionen Euro angepflanzt worden. „Große Teile der Jungpflanzen, sind mittlerweile nicht mehr zu retten“, sagte Schirmbeck.


Ein Schild weist nach langer Trockenheit die Waldbrandgefahrenstufe 5 aus. Foto: Monika Skolimowska/dpa


Zu dem unmittelbaren Vermögensschaden in Höhe von einer halbe Milliarde Euro kämen die langfristigen Auswirkungen auf die Bestände, die sich derzeit nur schwer beziffern ließen. „Das merken wir erst in einigen Jahren, Jahrzehnten oder Generationen, wenn die Bäume gefällt werden. Dieser Sommer wird seine Spuren hinterlassen.“ (Lesen Sie auch: Welche Unternehmen mit der Sommer-Hitze Geld verdienen)

Die aktuelle Dürre zeigt laut Schirmbeck auch, dass die Wälder in Deutschland nicht ausreichend auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet sind. „Die Waldbesitzer brauchen bei der Anpassung kompetente Hilfe vom Staat.“ Tatsächlich seien in der Vergangenheit aber Stellen in den Forstverwaltungen abgebaut worden, so Schirmbeck. „Der durchschnittliche Waldbesitzer hat weniger als 20 Hektar. Der braucht Hilfe.“

Die Wasserversorgung

Mittlerweile erreicht die Dürre auch immer mehr Haushalte – in Form schlechter oder zeitweise gar eingestellter Wasserversorgung. Ein Sprecher des Dachverbandes der kommunalen Wasserwerke sagte unserer Redaktion: „Derzeit kann man in Teilen Nord- und Ostdeutschlands durchaus situationsabhängig von einer angespannten Lage sprechen.“ Grund seien die stark angestiegene Wassernachfrage, die Trinkwasseraufbereitungsanlage oder Transportsystem einem „regelrechten Stresstest“ unterziehe. Dies habe aber nichts mit dem Grundwasserpegel zu tun. Aufgrund der starken Niederschläge in den vergangenen Monaten sei die Situation hier gut.

„Bei uns laufen alle Brunnen 24 Stunden am Tag auf Volllast“, sagte Ernst Kern vom Wasserverband Nord aus Schleswig-Holstein. Die Versorgung sei aber sichergestellt. Wie auch in Teilen Niedersachsens kommt das Wasser vielerorts aber nicht mehr ganz so druckvoll aus den Leitungen. Davon betroffen sind vor allem Haushalte, die weit entfernt vom nächsten Wasserwerk liegen. Der flächenmäßig große Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) appellierte an den Solidaritätsgedanken seiner Kunden. Sie sollten sich fragen, ob sie wirklich so viel Wasser verbrauchen müssten.

Aufgrund des gesenkten Drucks bleiben die Hähne in Teilen der Stadt Lohne im Landkreis Cloppenburg stundenweise gleich ganz trocken. Die Kunden sollen laut OOWV Entschädigungen erhalten. Derartige Probleme sind in Norddeutschland aber die Ausnahme. Vielerorts rufen die Kommunen ihre Bürger sogar dazu auf, Bäume in Städten zu gießen.


Ein Schild «Vom Baden wird abgeraten - Blaualgen» steht am Hohnsensee. Foto: Julian Stratenschulte/dpa


Die Badegewässer

Wegen des verstärkten Auftretens giftiger Blaualgen werden immer mehr Badegewässer in Niedersachsen gesperrt. Bisher wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamts (LGA) Badeverbote für zehn Gewässer beziehungsweise Badestellen ausgesprochen - zuletzt am Dümmer (Kreis Diepholz) und für den Seeburger See im Landkreis Göttingen. Für gut 20 weitere Gewässer beziehungsweise Badestellen gelten Warnungen. Badegewässer gesperrt, sagte die Mikrobiologin Katharina Kohls vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (LGA) empfahl: „Wer in knietiefem Wasser seine Füße nicht mehr sehen kann, sollte dort nicht baden.“


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