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Schwimmbad, Eis und kühle Getränke Welche Unternehmen mit der Sommer-Hitze Geld verdienen

Von Louisa Riepe

In der Sommerhitze wollen viele Menschen nur eins: ab ins Wasser. Foto: Jan Woitas/dpaIn der Sommerhitze wollen viele Menschen nur eins: ab ins Wasser. Foto: Jan Woitas/dpa

Osnabrück. An diesem Sommer, mit Temperaturen über 30 Grad Celsius und unzähligen Sonnenstunden, hätte selbst Rudi Carrell seine Freude gehabt. Aber auch Speiseisproduzenten, Schwimmbadbetreibern, Bekleidungsherstellern und Getränkehändlern kommt die Hitze gerade recht.

Die Eisproduzenten 


Bei Temperaturen um 32 Grad Celsius ist Speiseeis offenbar eine beliebte Abkühlung. Foto: Wolfgang Kumm/dpa


Die Speiseeishersteller setzen in diesem Sommer überdurchschnittliche Mengen ab. "Wir rechnen mit einem Umsatzplus von 15 Prozent für den Zeitraum bis Juni", sagt Ernst Kammerinke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Süßwarenindustrie. Der Verband vertritt unter anderem die Hersteller von vorverpacktem Eis – von der 800-Milliliter-Packung Vanilleeis bis zum Wassereis am Stiel. 

"Wir haben Eis-Wetter seit April", sagt der Experte, "also viele Sonnenstunden und wenige Niederschläge". Bei solchen Witterungsbedingungen hätten die Kunden besonders viel Lust auf Eis. "Auch wenn wir immer sagen, dass Eis ein Ganzjahresprodukt ist, ist die Hauptzeit für den Eiskonsum doch der Sommer", so Kammerinke. (Lesen Sie auch: Das sind die Opfer der Trockenheit)

Den Trend bestätigt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auch für die Eisdielen. Laut der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) ist dieses Jahr vor allem Fruchteis gefragt. Sprecherin Annalisa Carnio, meint aber auch: „Am meisten verkaufen wir bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius." Bei allem, was darüber liegt, steige eher der Bedarf nach Flüssigkeiten als nach Speiseeis.



Die Freibäder


Die Erfrischung naht, zumindest für diesen Besucher des Freibades in Bad Iburg. Foto: Oliver Wichmann


„Der Freibadbetrieb steht und fällt mit dem Wetter", sagt Konstanze Ziemke-Jerrentrup von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Konkrete Zahlen für die diesjährige Saison kann sie noch nicht nennen, nur so viel: "Dieses Jahr ist definitiv besser als das letzte, aber da war das Wetter auch schlecht und die Besucherzahlen entsprechend niedrig." Trotzdem warnt sie davor, anzunehmen, die Freibäder würden wegen des schönen Wetters nun im Geld schwimmen. "Die Eintrittsgelder decken nur einen Bruchteil der Kosten eines Freibades, die für den laufenden Betrieb in einer Saison anfallen.“

Das bestätige auf Anfrage auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). "Auch ein Super-Sommer ist noch kein Garant für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit für einen Bäderbetrieb", so ein Sprecher. In der Regel werden die Fehlbeträge der Bäder aus den kommunalen Kassen bezahlt, weil die Einrichtungen einem gesellschaftlichen Nutzen dienen. „Freibäder sind ein günstiges Freizeitvergnügen. Für den kleinen Urlaub zwischendurch ist das eine tolle Sache, gerade mit Familien“, erklärt Konstanze Ziemke-Jerrentrup. 


Die Textilindustrie


Der Sommer sorgt dafür, dass die Passanten gerne leichte Bekleidung kaufen. Foto: Bodo Marks/dpa


Auch die Bekleidungsindustrie ist stark vom Wetter abhängig, bestätigt Axel Augustin, der Sprecher des Handelsverbands Textil (BTE). Zuletzt haben das seine Verbandsmitglieder im April 2018 gemerkt, als auf den strengen Winter direkt der Sommer folgte. "Wir haben kaum Übergangsjacken oder Pullover verkauft, so Augustin. Nach seinen Angaben lag der Umsatz der Branche im ersten Halbjahr drei bis vier Prozent unter dem des gleichen Zeitraums im Vorjahr. Weitere Zahlen liegen dem Verband bisher noch nicht vor, trotzdem meint Augustin, dass in den letzten Wochen "leichte, hochsommerliche Ware ganz ordentlich geflossen sein sollte." 

Die anhaltende Hitze dürfte nach seiner Meinung aber kaum noch zu weiteren Umsätzen führen. Schließlich "haben wir seit April Sommer", entsprechend hätten sich die Kunden längst mit Tshirts, kurzen Hosen, Kleidern und Bikinis eingedeckt. "Jetzt geht es nur noch über den Preis", meint Augustin. Im Gegenteil könnte das Sommerwetter sogar dafür sorgen, dass die Herbstmode, die schon im August in die Geschäfte kommt, nicht gut abverkauft werden kann. "Im Moment ist noch nicht das Wetter für Herbstware. Der Kaufanreiz ist noch nicht so da." 


Die Getränkehändler


Bei großer Hitze wird mehr getrunken, das freut die Getränkehersteller und -händler. Foto: Paul Zinken/dpa



Für die Getränkebranche dürfte 2018 ein erfreuliches Jahr werden. Das meint zumindest Andreas Vogel, vom Verband des deutschen Getränke-Einzelhandels. "Der beste Händler im Getränkemarkt ist die Sonne", sagt er. Entsprechend gut läuft es in diesem Sommer für seine rund 2.300 Vereinsmitglieder. So gut, dass sie bereits an der Kapazitätsgrenze arbeiten. "Ein großer Engpass ist das Leergut", so Vogel. Die Mehrweg-Kisten und -flaschen, die beim Kunden lagern, "werden dringend bei den Herstellern und Abfüllern gebraucht". Vogel appelliert deshalb an alle Konsumenten, die leeren Gebinde zurück zum Händler zu bringen. 

In der Gastronomie profitieren insbesondere in den Biergärten vom guten Wetter, so der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Obwohl der Bierkonsum pro Kopf in Deutschland seit Jahren sinkt, erwarten die Brauer in diesem Jahr erstmals seit Langem wieder ein leichtes Wachstum. Bereits im ersten Halbjahr war der Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht um 0,6 Prozent angestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Brauereien und Bierlager setzten damit rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab.  (mit dpa)


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