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02.08.2018, 17:10 Uhr KOMMENTAR ZU GOOGLE IN CHINA

Natürlich ist das Zensur, aber...

Kommentar von Katharina Ritzer

Der Internet-Riese Google will in China Fuß fassen - und unterwirft sich dabei den Zensurkriterien des Landes. Daran gibt es scharfe Kritik. Foto: AFP/Liu JinDer Internet-Riese Google will in China Fuß fassen - und unterwirft sich dabei den Zensurkriterien des Landes. Daran gibt es scharfe Kritik. Foto: AFP/Liu Jin

Osnabrück. Der chinesische Markt ist für US-Unternehmen immens wichtig - nicht nur für Handel und Industrie, sondern auch im Netz. Der Internetkonzern Google hat nun eine Suchmaschine entwickelt, die der chinesischen Zensur folgt; sie sortiert in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen etwa nach Menschenrechten und Demokratie aus. Die Kritik daran ist heftig, aber ein Skandal ist die Anpassung an Marktgepflogenheiten eigentlich nicht. Ein Kommentar.

Wer ein Auto in ein anderes Land verkauft, der muss sich beim Verkauf nach den Vorschriften dieses Landes richten, etwa bei den Abgaswerten. VW hat das in den USA ja gerade schmerzlich erlebt. Warum nun sollten diese einfachen Gesetze des Marktes nicht auch im Internet für eine Suchmaschine wie Google gelten?

Wenn der amerikanische Gigant Zugang zum größten Online-Markt der Welt mit gut 730 Millionen Nutzern haben will, dann muss er nach den chinesischen Regeln spielen – das ist in anderen Ländern wie etwa den Vereinigten Arabischen Emiraten auch nicht anders, dort sind ebenfalls viele Begriffe, meist aus religiösen Gründen, gesperrt.

Natürlich ist das Zensur, und natürlich gäbe es das in der besten aller denkbaren Welten auf keinen Fall. Weil die Welt aber nun mal ist, wie sie ist, gibt es Länder mit unterschiedlichen Graden von Freiheit oder eben Unfreiheit. Das aber entbindet freiheitlich-demokratische Staaten ja keineswegs, auf den Schutz bürgerlicher Freiheit und die Einhaltung der Menschenrechte zu pochen. Aber mal ehrlich: Was wäre denn gewonnen, wenn Google für die User in China oder in den Arabischen Emiraten überhaupt nicht zu erreichen wäre? Gar nichts, eben. Es gibt allerhand zu kritisieren an Google, bei den Steuern etwa oder beim Urheberrecht. Der China-Deal aber gehört nicht dazu.


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