Väter im Trend Experte: Alleinerziehenden Männern fehlt gesellschaftliche Akzeptanz

Von Melanie Heike Schmidt

Die Zahl der alleinerziehenden Väter wächst. Im Alltag sind sie mit speziellen Problemen konfrontiert. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaDie Zahl der alleinerziehenden Väter wächst. Im Alltag sind sie mit speziellen Problemen konfrontiert. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Osnabrück. Mit Blick auf die wachsende Zahl von Alleinerziehenden in Deutschland fordert Stefan Hahndorf, Gründer der Ratgeber-Homepage „vaterfreuden.de“, mehr Engagement speziell für alleinerziehende Männer.

„Der größte Unterschied zwischen alleinerziehenden Männern und Frauen ist tatsächlich die gesellschaftliche Akzeptanz“, sagte Hahndorf, dessen Website mit täglich 5000 Besuchern als reichweitenstärkste im deutschsprachigen Raum gilt, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Um dies zu verbessern, sei die Politik gefragt, sagte Hahndorf. „Politiker müssen in erster Linie aufklären und die Rolle von Vätern und ihre Bedeutung aufwerten“, sagte er.

Weniger Verständnis seitens der Arbeitgeber

Im Alltag seien alleinerziehende Männer mit speziellen Problemen konfrontiert: „Männer definieren sich selbst stark über ihren Beruf“, sagte Hahndorf. Doch ausgerechnet den Beruf könne man „als Alleinerziehender nur stark eingeschränkt ausüben“, so der Gründer von „vaterfreuden.de“. Auch seitens der Arbeitgeber bekämen Männer „häufig weit weniger Verständnis“ entgegengebracht als Frauen, kritisierte er. Um etwa den Umgang mit Behörden zu erleichtern, müsse es insbesondere in großen Städten „Männerbeauftragte“ geben, forderte Hahndorf. „Fakt ist, dass es Männer in Familienfragen häufig schwerer haben, vor Gericht etwa, und meist auch in den Sozialämtern weniger Lobby haben“, sagte er. Auch eine Einrichtung von „Männerhäusern“ für von Trennung betroffene Männer – mit Unterkunft und Beratung – wäre „sinnvoll“, so Hahndorf.

Schwierige Suche nach Gleichgesinnten

Der Anteil alleinerziehender Männer in Deutschland steigt kontinuierlich. Allerdings ist insgesamt betrachtet der Frauenanteil bei den Alleinerziehenden immer noch überwältigend groß, nur knapp zwölf Prozent aller Alleinerziehenden im Jahr 2017 waren männlich. Diese im Vergleich geringe Anzahl sorgt für Probleme: „Es ist für alleinerziehende Männer schwieriger, andere in der gleichen Situation zu finden, um sich auszutauschen oder um die Kinder miteinander spielen zu lassen“, erklärte Hahndorf. „Das nagt an vielen alleinerziehenden Vätern“, weiß der Experte.

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