Hohes Armutsrisiko Viele Alleinerziehende können sich nicht mal eine Woche Urlaub leisten

Von dpa

Zur Entlastung der immer zahlreicheren Alleinerziehenden in Deutschland fordert die Diakonie Deutschland eine Kindergrundsicherung. Foto: Marcel Kusch/dpaZur Entlastung der immer zahlreicheren Alleinerziehenden in Deutschland fordert die Diakonie Deutschland eine Kindergrundsicherung. Foto: Marcel Kusch/dpa

Berlin. Die Zahl der Familien mit nur einem Elternteil ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen. Das hat Folgen.

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden und ihren Kindern ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken – es liegt aber noch immer weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Das geht aus den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden.

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Von den Erwachsenen und Kindern, die im Haushalt eines Alleinerziehenden leben, waren demnach 2011 noch 37 Prozent von Armut bedroht – bis 2016 ging diese Quote auf weniger als 33 Prozent zurück. In Haushalten, in denen zwei Erwachsene mit Kindern leben, waren allerdings nur 11 Prozent von Armut bedroht. Als armutsgefährdet gelten Personen, denen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung stehen.

Mehr als ein Viertel der alleinerziehenden Mütter ist 2017 arbeitslos gewesen. Familiäre oder persönliche Gründe seien die am häufigsten genannten Hinderungsgründe dafür. 55 Prozent der nicht erwerbstätigen Mütter wären allerdings an einem Job interessiert, hieß es. Anders sieht es laut Angaben der Behörde bei nicht erwerbstätigen Mütter aus, die in einer Beziehung leben: Von ihnen wünschen sich nur 29 Prozent eine Arbeitsstelle.

Urlaub finanziell nicht machbar

Dieser statistische Wert hat für die Betroffenen ganz konkrete Auswirkungen: So können sich 39 Prozent der Alleinerziehenden noch nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise mit ihren Kindern leisten. Im Vergleich dazu müssen von der der Gesamtbevölkerung nur 19 Prozent ihren Urlaub unfreiwillig zu Hause verbringen.

Die Zahl der Familien mit nur einem Elternteil ist in den vergangenen 20 Jahren um 200.000 auf 1,5 Millionen Familien im Jahr 2017 gestiegen. Damit wachsen in ungefähr jeder fünften Familie in Deutschland Kinder mit nur einem Elternteil auf. Der Trend ist gegenläufig zu der Gesamtzahl der Familien. Diese sank in den vergangenen 20 Jahren um 1,2 Millionen auf 8,2 Millionen Familien. Trotzdem bleibt die Familie mit beiden Eltern mit 70 Prozent die große Mehrheit. 



Hoher Anteil in Ostdeutschland

Besonders hoch ist laut Statistischem Bundesamt der Anteil der Alleinerziehenden in Ostdeutschland sowie in Großstädten. In Ostdeutschland liege das aber daran, das sich die Zahl der Familien mit zwei Elternteilen in den vergangenen Jahren von gut 1,5 Millionen vor 20 Jahren auf rund 820.000 nahezu halbiert habe. Die absolute Zahl der Alleinerziehenden sank dort in dem Zeitraum von 395.000 auf 390.000. Demgegenüber ist die Zahl der Alleinerziehenden in Westdeutschland von 950.000 auf knapp 1,2 Millionen angestiegen. In Berlin ist der Anteil mit 27,6 Prozent am höchsten, in Baden-Württemberg mit 15,3 Prozent am niedrigsten. 

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat für Familien mit nur einem Elternteil mehrere Projekte in Planung. Dazu gehören eine Reform des Kinderzuschlags für einkommensschwache Familien sowie ein Gesetz für eine verbesserte Kita-Betreuung. "Gerade Alleinerziehende sind angewiesen auf gute Kitas und Kindertagespflege", erklärte Giffey. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird nur dann gehen, wenn es gute Betreuungsmöglichkeiten gibt."


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