Niederlande, Frankreich, Polen So gehen Bauern im Ausland mit der Hitze um

Von dpa

Für die Bauern in Deutschland bedeutet die Dürre vor allem: die Ernte wird richtig schlecht, sie müssen an die Ersparnisse gehen oder auf die Hilfe des Staates hoffen. Foto: Patrick Pleul/ZB/dpaFür die Bauern in Deutschland bedeutet die Dürre vor allem: die Ernte wird richtig schlecht, sie müssen an die Ersparnisse gehen oder auf die Hilfe des Staates hoffen. Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Berlin. Viele Landwirte in Europa kämpfen gegen Rekorddürren. Mancherorts machen aber Regenmassen den Bauern zu schaffen.

Wann kommt der Regen? In Deutschland und vielen EU-Staaten hoffen Bauern darauf – in etlichen anderen Ländern wollen sie, dass er endlich aufhört. Viele klagen über Ernteausfälle, alle suchen nach Lösungen. Denn Klimaforscher gehen davon aus, dass es künftig häufiger längere Hitzewellen und heftigen Niederschlag geben wird. 

Wie sieht es in den Importländern aus?

Auch Deutschlands drei wichtigste Importländer für Agrarprodukte leiden gerade unter der Hitze. Importland Nummer eins, die Niederlande, wurden etwa davon sehr überrascht. Das Nachbarland kämpfte eigentlich jahrhundertelang besonders gegen das Wasser, denn das Land liegt zu mehr als einem Drittel unter dem Meeresspiegel. Nun sorgen sich die Nachbarn um ihre Deiche. Sind diese nicht feucht genug, könnten gefährliche Risse entstehen. So verbot das Landwirtschaftsministerium den Bauern gar, ihre Felder zusätzlich zu bewässern. Doch vor allem die Ackerbauern klagen nun, dass ihre Kartoffelernte in Gefahr sei.

Auch Importland Nummer zwei, Frankreich, schränkte die Wassernutzung der Bauern in Teilen des Landes ein. Die Trockenheit ist dort aber laut Angaben des Agrarministeriums weniger kritisch als etwa im Vorjahr. Die Regierung zahlt betroffenen Bauern Entschädigungen, allerdings müssen diese das Ende der Ernte im Herbst abwarten. Im vergangenen Jahr etwa finanzierte Frankreich Hilfen im Wert von knapp 52 Millionen Euro, im Jahr davor von 180 Millionen Euro. Damals war in etwa jedem dritten der 96 Départements im Mutterland eine „Dürrekatastrophe" festgestellt worden.

Das drittwichtigste Importland Polen entschied in dieser Woche, seinen Bauern dieses Jahr mit 187 Millionen Euro zu helfen. Geld erhalten sollen Landwirte, wenn mindestens ein Drittel ihrer Ernste beschädigt wird. Denn zurzeit herrscht auf mehr als 60 Prozent der Anbauflächen Dürre. Auch etwa der von Deutschland oft importierte Mais sowie Getreide sind vom Wassermangel bedroht, warnte das Institut für Agrarwirtschaft.

Mehr Getreide nach Deutschland

Wegen der Dürre muss Deutschland in diesem Jahr beispielsweise mehr Getreide importieren, wie eine Sprecherin von Europas größtem Agrarhandelskonzern Baywa in München sagte. Während sonst sogar ein großer Teil exportiert werde, sei nun das ohnehin knappere Angebot vor allem für das Inland vorgesehen. Und die geringere Erntemenge sorge überdies für einen Anstieg der Getreidepreise.

In Großbritannien herrscht laut Meteorologen gerade der trockenste Sommer seit mehr als 50 Jahren. Und die Bauern klagen nicht nur, dass ihre einst saftigen Wiesen inzwischen so braun wie Biskuits seien, sondern auch, dass ihnen für die restliche Ernte schlicht die Helfer fehlten. Denn diese kamen meist aus Osteuropa, zogen inzwischen wegen des geplanten Brexits jedoch in andere EU-Länder.

Der Süden will weniger Regen

Im Süden Europas hingegen sind die Temperaturen gerade vergleichsweise mild. Stattdessen regnete es seit diesem Frühjahr viel. Unwetter haben etwa viele Maisfelder, Weinberge, Kartoffelfelder und Tomatenpflanzen in Italien zerstört, wie der Landwirtschaftsverband Coldiretti mitteilte. Im Süden des Landes etwa liege die Pfirsichernte 20 Prozent unter der des Vorjahres. Auch Landwirtschaftsverbände in Spanien klagen über dieses Problem.

An die Hitze hingegen haben sich spanische und italienische Bauern gut angepasst. In mehreren italienischen Ställen kühlen Klimaanlagen die Kühe, damit sie auch im Sommer viel Milch geben. Spanische Landwirte etwa bauen hitzeliebende Pflanzen wie Orangen, Kakis und Erdbeeren an.

In heißen Regionen braucht die Landwirtschaft jedoch besonders viel Wasser. In Spanien etwa wird mehr als die Hälfte des Territoriums landwirtschaftlich genutzt. Gleichzeitig verbraucht der Agrarsektor mehr als 80 Prozent des Wassers. Umweltschützer werfen der Regierung in Madrid schlechtes Wasser-Management und mangelnde Vorsorge vor.

Dürre auch in Amerika

Auch in Zentralamerika herrscht gerade eine schlimme Dürre. In El Salvador  etwa gehen nach Einschätzung des Zivilschutzes deswegen fast 90 Millionen Kilo Mais verloren. Das Land bittet um humanitäre Hilfe.

In Argentinien ist der Sommer zwar schon vorbei, weil das Land auf der Südhalbkugel liegt. Doch die Dürre dürfte bei Landwirten und verarbeitendem Gewerbe Schäden von mehreren Milliarden Euro verursacht haben. Die Regierung hat den Bauern zwar einen einfacheren Zugang zu Krediten angekündigt. Diese klagen jedoch wie die deutschen Landwirte, dass Hilfe zu langsam ankomme und nicht ausreiche.

In anderen Regionen der Erde haben Bauern genau mit dem Gegenteil zu kämpfen. In Südostasien herrscht gerade Monsunzeit. Dort flutet der Regen viele Felder und Farmen. So gibt die Regierung in Thailand Opfern jedes Jahr Geld. 2011 etwa war ein Großteil des Landes unter Wasser. Betroffene Bauern erhielten Entschädigungen im Wert von umgerechnet rund 130 bis 770 Euro pro Kopf. 


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