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31.07.2018, 18:40 Uhr MIGRATION ÜBER MITTELMEER

So nicht! Libyen ist kein sicherer Hafen

Kommentar von Uwe Westdörp

Aus Seenot gerettet: Die von der Küstenwache Lybiens zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt afrikanische Migranten auf einem Schiff, die in der Nähe der Stadt Gohneima, östlich der Hauptstadt Tripolis, aufgenommen wurden. Vier Boote hatten 490 afrikanische Migranten an Bord, darunter 75 Frauen und 21 Kinder, so ein Sprecher. Foto: Uncredited/Küstenwache Lybien/AP/dpaAus Seenot gerettet: Die von der Küstenwache Lybiens zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt afrikanische Migranten auf einem Schiff, die in der Nähe der Stadt Gohneima, östlich der Hauptstadt Tripolis, aufgenommen wurden. Vier Boote hatten 490 afrikanische Migranten an Bord, darunter 75 Frauen und 21 Kinder, so ein Sprecher. Foto: Uncredited/Küstenwache Lybien/AP/dpa

Osnabrück. Die libysche Küstenwache spielt eine immer größere Rolle bei der Rettung von Migranten im Mittelmeer. Jetzt hat sie offenbar ein italienisches Schiff angewiesen, Gerettete in das Bürgerkriegsland zu bringen. Die Empörung ist zu Recht groß.

Ist Libyen ein sicherer Hafen für Bootsflüchtlinge? Man muss schon beide Augen zudrücken, um diese Frage bejahen zu können. Tatsächlich reißen die Meldungen über überfüllte Lager und schwere und schwerste Menschenrechtsverletzungen in dem krisengeschüttelten nordafrikanischen Staat nicht ab.

Es ist deshalb skandalös, wenn Flüchtlinge dorthin verfrachtet werden. Wer sich daran beteiligt, verstößt gegen internationale Regeln, nach denen aus Seenot Gerettete an einen Ort zu bringen sind, an dem sie ihres Lebens sicher sein können und ausreichend versorgt werden.

Dass ein italienisches Schiff sich offenbar nicht an diese Regeln gehalten hat, ist nicht der erste Beleg dafür, wie bei der Abschottung Europas die Sitten verfallen. Schon seit Langem beklagen Hilfsorganisationen, die europäischen Regierungen rüsteten die libysche Küstenwache aus, damit sie Flüchtlinge auf dem Weg nach Norden abfängt und interniert.

Abschottung um jeden Preis? Das kann, das darf nicht das Ende des Dramas am und auf dem Mittelmeer sein. Es wird höchste Zeit, dass die EU ihre Vorschläge umsetzt, Aufnahmezentren für Bootsflüchtlinge einzurichten. In Spanien, dem aktuell wichtigsten Fluchtziel, könnte man damit beginnen, wieder mehr Menschlichkeit statt Willkür herrschen zu lassen.


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