Bombenanschlag in Düsseldorf 18 Jahre nach Wehrhahn-Anschlag: Angeklagter freigesprochen

Von dpa

Der Angeklagte versteckt sich im Gerichtssaal des Landgerichtes hinter einem Aktenordner.  Foto: Federico Gambarini/dpaDer Angeklagte versteckt sich im Gerichtssaal des Landgerichtes hinter einem Aktenordner. Foto: Federico Gambarini/dpa

Düsseldorf. Im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn ist der Angeklagte freigesprochen worden.

Das Düsseldorfer Landgericht sah die Beweislage am Dienstag als nicht ausreichend für eine Verurteilung an. Die Verteidigung hatte Freispruch für den 52-Jährigen beantragt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann zwölffachen Mordversuch aus Fremdenhass vorgeworfen.

Der Staatsanwalt hatte lebenslange Haft für den 52-Jährigen gefordert. Er sei durch eine lange Reihe von Indizien überführt und zweifellos der Täter, hatte er in seinem zweieinhalbstündigen Plädoyer gesagt.

Anschlag am 27. Juli 2000

Bei dem Anschlag waren vor 18 Jahren, am 27. Juli 2000, zehn überwiegend jüdische Zuwanderer aus einer zwölfköpfigen Gruppe verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib – getroffen von einem Metallsplitter.

Die Verteidiger hatte betont: "Die Beweisaufnahme hat den Nachweis für seine Täterschaft nicht erbracht." Der Angeklagte sei von völlig unglaubwürdigen Zeugen belastet worden. Es gebe keine Spuren von ihm am Tatort. Im Prozess hatten mehrere Zeugen ihre Aussagen zurückgenommen oder relativiert. Ihnen sei es möglicherweise zuvor bei ihren belastenderen Varianten um Hafterleichterungen oder die Belohnung gegangen, vermuteten die Verteidiger. Der 52-Jährige sei ein "Dampfplauderer und ein Dummschwätzer", aber kein hochgefährlicher Rechtsextremist mit soziopathischen Zügen, wie von der Anklage behauptet.

Sämtliche vier Nebenkläger-Anwälte hatten den Angeklagten dagegen als überführt bezeichnet: Er habe sich in mitgeschnittenen Telefonaten mehrfach verraten. Das Gesamtbild sei eindeutig und beseitige jeden Zweifel. Die Kammer sei im Begriff, "den schwersten Justizfehler in der Geschichte Düsseldorfs zu begehen", hatte Nebenklage-Vertreter Juri Rogner noch gewarnt. 


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