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30.07.2018, 17:57 Uhr KOMMENTAR

Flüchtlingsnachzug mit Chancen und Risiken

Kommentar von Thomas Ludwig

Oft sind Flüchlingsfamilien lange Zeit getrennt. Umso größer ist die Wiedersehensfreude.  Foto: Carsten Rehder/dpaOft sind Flüchlingsfamilien lange Zeit getrennt. Umso größer ist die Wiedersehensfreude. Foto: Carsten Rehder/dpa

Osnabrück. Ab Mittwoch können Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz wieder Familienangehörige nachholen. Rechtliche Auseinandersetzungen sind programmiert.

Monatelang hatten die Regierungsparteien um die Wiederaufnahme des Familiennachzugs für Menschen mit eingeschränktem Schutzstatus gerungen. War es die damit verbundene öffentliche Erregung wert? Ja.

Richtig ist, dass die Zahl auf 12 000 im Jahr begrenzt wurde - auch wenn der Bedarf größer ist. Ein zu schnell und zu viel an Nachzug strapazierte die Bereitschaft der hiesigen Bevölkerung über Gebühr. Subsidiären Schutz erhalten vor allem Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Syrien; hat sich die Lage in der Heimat stabilisiert, müssen sie zurück. Es ist aber schwieriger, eine Familie zur Rückkehr zu bewegen als einen Einzelnen, dessen Angehörige in der Heimat sind.

Andererseits: Nach Lage der Dinge wird es für die meisten Flüchtlinge so schnell kein Zurück nach Syrien geben; das Land ist vom Frieden weit entfernt. Familien über Jahre voneinander zu trennen ist aber nicht sonderlich human. Am Ende könnte für Viele faktisch ein dauerhaftes Bleiberecht stehen. Und mit der Perspektive und der Familie im Rücken fällt Integration sicher leichter.

Im Übrigen halten Experten das Gesetz für kaum praktikabel, kompliziert und vielleicht gar grundgesetzwidrig. Dass es Klagen nach sich ziehen wird, gilt als gesetzt. Die nächste Runde im politischen Streit um eine angemessene Flüchtlingspolitik ist eingeläutet.


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