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29.07.2018, 16:09 Uhr KOMMENTAR

Erdogans Berlin-Besuch nicht skandalisieren

Kommentar von Thomas Ludwig

Nicht unbedingt ein gern gesehener Gast: der türkische Staatspräsident Recep Tayipp Erdogan. Foto: Gianluigi Guercia/AFPNicht unbedingt ein gern gesehener Gast: der türkische Staatspräsident Recep Tayipp Erdogan. Foto: Gianluigi Guercia/AFP

Osnabrück. Der für September geplante Staatsbesuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland stößt bei der Opposition im Bundestag auf Kritik. Das zeugt nicht von außenpolitischer Weitsicht.

Der türkische Präsident erhitzt wieder einmal die Gemüter. Grüne und AfD halten den geplanten Staatsbesuch von Recep Tayyip Erdogan in Deutschland für ungebührlich. Doch mit Slogans wie „Herr Erdogan soll zu Hause bleiben“ lässt sich vielleicht innenpolitisch Stimmung machen. Von außenpolitischer Weitsicht zeugt das nicht.

Die Türkei ist ein zu wichtiger internationaler Akteur, als dass Berlin Ankara links liegen lassen könnte. Die geostrategische Lage an der Nahtstelle zum Nahen Osten macht das Land für die Europäer unverzichtbar; wenn die Türkei Russland, Frankreich und Deutschland zum Gipfel zur Befriedung Syriens lädt, so ist das deshalb nur zu begrüßen.

Kritik an Erdogan ja, an seinem Besuch nein

Das getrübte deutsch-türkische Verhältnis wird nicht dadurch freundlicher, dass man einander den Respekt verwehrt oder Erdogan zur Persona non grata erklärt. Wenn es danach ginge, mit all jenen Staatschefs keinen Austausch zu pflegen, die autoritäre Mittel zur Absicherung ihrer Herrschaft nutzen, dürfte Berlin auch keinen Umgang mit Wladimir Putin oder Xi Jinping pflegen.

Doch es gibt Grenzen. Eine Großveranstaltung hierzulande mit türkischen Landsleuten sollte man Erdogan nicht durchgehen lassen. Denn der Autokrat hat wiederholt den Willen unter Beweis gestellt, gegen Deutschland zu hetzen. Ein Staatsbesuch darf keine Bühne für Agitation bieten.


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