Deutschland schwitzt weiter Vorerst keine Ende der Hitze-Welle in Sicht

Von Kristina Müller, afp und dpa

Nicht in der Wüste, sondern am Ufer des Rheins sind durch die anhaltende Trockenheit Risse entstanden. Foto: dpa/Martin GertenNicht in der Wüste, sondern am Ufer des Rheins sind durch die anhaltende Trockenheit Risse entstanden. Foto: dpa/Martin Gerten

Paris/Berlin/Osnabrück.. Die Gluthitze hält Europa weiter fest im Griff: Am Freitag wurden Rekordtemperaturen erreicht. Indessen verlangen die zahlreichen Brandherde der Feuerwehr alles ab.

Europa ächzt unter der Hitze: Auch am Freitag glühte die Sonne kontinentweit am wolkenlosen Himmel über ausgetrockneten Böden und trieb die Temperaturen an vielen Orten weit über die 30-Grad-Marke. Abkühlung war zumindest in Deutschland nicht in Sicht: Meteorologen erwarten ein Ende der Hitzewelle nicht vor Mitte August. Vorsichtige Entwarnung gab es in den Waldbrandgebieten Griechenlands, Schwedens und Brandenburgs.

Überall machten sich die Folgen der Hitze bemerkbar: Hamburgs Behörden sagten das traditionelle Feuerwerk zum Sommer-Dom am Freitagabend ab, zu groß war die Brandgefahr auf den trockenen Böden. Mecklenburg-Vorpommern verbot das Betreten mehrerer Wälder. In Berlin setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein, um die ausgetrocknete Wiese vor dem Reichstagsgebäude zu wässern. Bei Potsdam konnte ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr eine Feuersbrunst in einem Kiefernwald stoppen. Eine schon vorbereitete Evakuierung der Ortschaft Fichtenwalde konnte abgesagt werden, wie Polizei und Landkreis mitteilten.

Die ganze Nacht über waren rund 250 Helfer im Einsatz. Gefahr drohte nicht nur durch die Hitze des Brandes, der sich Schätzungen zufolge auf rund 50 Hektar erstreckte, sondern auch durch vermutete Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Eine zeitweise befürchtete Evakuierung des kleinen Orts erwies sich als unnötig. In großen Teilen Brandenburgs, Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts herrscht derzeit wegen der Trockenheit höchste Waldbrandgefahr. In den Waldbrandgebieten nahe der griechischen Hauptstadt Athen hat sich die Lage entspannt. Feuerfronten, die bewohnte Gebiete bedrohen, gab es nicht mehr, teilte die Feuerwehr mit. Bislang wurden 83 Todesopfer gezählt.

Meteorologen sprachen von der ausgeprägtesten Hitzewelle seit 2003. Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam warnte, dass die Hitze noch bis mindestens Mitte August über Deutschland hängen wird: „Es ist noch kein Ende zu erkennen.“ Einzelne Wetterextreme direkt auf menschliche Aktivitäten, also auf den Treibhausgasausstoß zurückzuführen, sei immer „sehr schwierig“, sagt der französische Klimatologe Jean Jouzel. Die jüngsten Wetterepisoden sind allerdings „kompatibel mit den langfristigen Tendenzen, die durch die Konzentration der Treibhausgase verursacht werden“, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bilanziert. Björn Samset vom norwegischen Klima-Forschungszentrum Cicero erläutert im norwegischen Sender NRK: „Wir hätten in jedem Fall einen heißen und trockenen Sommer gehabt, aber angesichts dessen, dass der Planet heute ein Grad wärmer ist als vor hundert Jahren, ist es schlimmer, als es sonst gewesen wäre.“

Deutsche Feuerwehren bereiten sich daher schon auf mehr Waldbrände in den kommenden Jahren vor. „Wir müssen die Zeichen des Klimawandels frühzeitig erkennen und gerüstet sein, wenn es mit den Trockenperioden so bleibt“, sagte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer des Deutschen Feuerwehrverbandes, Rudolf Römer, im Gespräch mit unserer Redaktion. Im Zuge dessen denke man bereits über mehr Feuerwehrfahrzeuge mit größeren Wassertanks sowie den Einsatz von Löschdrohnen nach.

Prinzipiell sei Deutschland durch andere Strukturen gut auf größere Brände vorbereitet, diese gebe es so in Ländern wie Griechenland oder Schweden nicht. „Unser flächendeckendes Netz von 23 000 Feuerwehren und 32 000 Feuerwachen ermöglicht es, Entstehungsbrände rasch zu löschen“, betonte Römer. Der Einsatz von Löschflugzeugen sei in Deutschland dagegen nicht möglich. „Dafür braucht es große Wasserflächen, über die die Flugzeuge im Landeanflug Wasser aufnehmen können. Seen in dieser Größe haben wir in Deutschland nicht.“ Stattdessen verfüge die Feuerwehr über Außenlastbehälter, die an Hubschraubern angebracht werden und über kleineren Seen befüllt werden können. Die Hubschrauber jedoch müssen laut Römer von der Bundeswehr oder Polizei geliehen werden.

Für Waldbrandexperte Johann Goldammer vom Zentrum für globale Feuerüberwachung in Freiburg liegt aber genau darin ein Problem, wie er unserer Redaktion sagte. Denn viele der Bundeswehrhubschrauber befinden sich auf Einsätzen außerhalb Deutschlands. Er empfiehlt deshalb, kleinere Löschflugzeuge, wie sie bereits weltweit eingesetzt werden, auf Bundesebene anzuschaffen. „Das muss aber gemeinsam im Verbund mit den Ländern passieren und miteinander finanziert werden“, sagte Goldammer unserer Redaktion. Die Flugzeuge könnten von der Feuerwehr am Boden betankt werden, bräuchten nur kurze Start- und Landepisten und seien sehr wendig. Darüber hinaus müssten auch die Feuerwehren speziell ausgerüstet werden mit leichterer Kleidung, kleineren geländegängigen Fahrzeugen und tragbaren Rucksack-Spritzen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN