Nach Eintrittswelle SPD verliert nach GroKo-Votum knapp 14 000 Mitglieder

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Die SPD hat seit dem Höhepunkt rund um das  Mitgliedsvotum zur GroKo knapp 14 000 Mitglieder verloren. Foto: Michael Kappeler/dpaDie SPD hat seit dem Höhepunkt rund um das Mitgliedsvotum zur GroKo knapp 14 000 Mitglieder verloren. Foto: Michael Kappeler/dpa

Osnabrück. Im Vorfeld der Mitgliederbefragung über eine Große Koalition hatte die SPD einen Eintrittsboom erlebt. Viele Mitglieder wenden der Partei nun wieder den Rücken. Seit Anfang Februar verlor die sozialdemokratische Partei knapp 14 000 Genossen. Unter dem Strich steht aber immer noch ein Plus.

Der erneute Eintritt in die Regierungskoalition mit der CDU kostet die SPD immer noch tausende Mitglieder. Seit dem Votum über die Neuauflage der Großen Koalition hat die Partei knapp 14 000 Mitglieder verloren. Am 30. Juni hatte die sozialdemokratische Partei 449 870 Mitglieder, wie die SPD auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte. Am 6. Februar, dem Stichtag zum Eintritt für die Teilnahme am Votum über die Koalition, war es noch ein Höchststand von 463 723 Genossen gewesen – also genau 13 853 mehr.

Die Zahlen umfassen dabei nicht nur Ein- und Austritte, sondern auch Sterbefälle. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei knapp 60 Jahren.

Die Partei hatte in der Debatte um die Regierungsbeteiligung eine enorme Eintrittswelle erlebt. Im Vorfeld der GroKo-Abstimmung Anfang März beantragten seit Jahresbeginn 24 000 Menschen ein sozialdemokratisches Parteibuch.

Neumitglieder wollten über GroKo mitbestimmen

Hintergrund für die Eintritte war, dass die Neumitglieder über den Kurs der Partei mitbestimmen wollten. So hatten parteiinterne Kritiker wie Jusos und der linke SPD-Flügel für ein Nein gekämpft und die „NoGroKo“-Kampagne gestartet. Dabei warben sie gezielt für den Eintritt in die Partei, um mit einem Nein die Koalition noch zu verhindern. Sie fürchteten einen Verlust des sozialdemokratischen Profils. Das Gesicht der GroKo-Gegner war Juso-Chef Kevin Kühnert, der immer wieder eine Erneuerung der Partei forderte. Beim Mitgliedervotum Anfang März hatte dennoch eine Mehrheit von 66 Prozent für eine erneute Regierungsbildung mit der Union unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gestimmt.

Seit 2017 schon Zuwachs

In der Parteizentrale hieß es, man habe damit gerechnet, dass einige Mitglieder nach einiger Zeit wieder austreten würden. Ein Parteisprecher betonte aber, dass seit Jahresbeginn unter dem Strich immer noch eine positive Entwicklung mit einem Plus von 6700 Genossen zu sehen sei. Damit setze sich der Wachstumstrend fort: Schon 2017 habe die SPD ein Rekordjahr beim Mitgliederzuwachs mit einem Plus von 10 000 Mitgliedern unter dem Strich verzeichnet. Damit ist die SPD wieder vor der CDU die mitgliederstärkste Partei Deutschlands. Es habe mehrere positive Effekte gegeben, die zu vielen Parteieintritten führten, sagte der Sprecher. Nach der Wahl von US-Präsident Trump und dem Brexit habe es schon einen Zuwachs gegeben: „Der größte Effekt waren die Kandidatur von Martin Schulz und das Mitglieder-Votum über die Groko.

Inzwischen hat sich der Mitgliederschwund schon verlangsamt. Sanken die Zahlen zwischen Anfang Februar und dem Ende März noch täglich um rund 110 Genossen, verliert die Partei inzwischen nur noch 85 am Tag.

Erneuerung der Partei

Nach dem Absturz auf 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 hat sich die SPD einen Erneuerungskurs verordnet, um Wähler zurück zu gewinnen. So soll die Basis verstärkt eingebunden werden, um den zuletzt deutlich sichtbar gewordenen Graben zwischen Funktionären und einfachen Genossen zu überbrücken. Bis zum Parteitag Ende 2019 soll außerdem ein SPD-Zukunftsprogramm stehen.

Im Vergleich zur Bundestagswahl liegt die Zustimmung der Bürger zur SPD derzeit immer noch niedriger. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD auf nur noch 18 Prozent, die Union auf 30 Prozent der Wählerstimmen. So lautet das Ergebnis des „Deutschlandtrends“ des ARD-“Morgenmagazins. Für die AfD würden sich 16 Prozent der Befragten entscheiden. Die Grünen kämen auf 15 Prozent, die Linke und die FDP auf jeweils acht Prozent. Insgesamt würde die Regierungskoalition aus Union und SPD nur noch 48 Prozent der Stimmen erhalten. Im Vergleich zur vorherigen Umfrage blieben SPD und Union stabil. Für den „Deutschlandtrend“ befragte das Institut Infratest dimap am Dienstag und Mittwoch 1047 Wahlberechtigte.


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