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26.07.2018, 18:49 Uhr KOMMENTAR

Pflegenotstand: Geld löst die Probleme nicht

Kommentar von Kristina Müller

Der Personalmangel in der Pflege ist ein ernstes Problem, dem nicht nur mit Geld Abhilfe geschaffen werden kann. Foto: dpa/Markus ScholzDer Personalmangel in der Pflege ist ein ernstes Problem, dem nicht nur mit Geld Abhilfe geschaffen werden kann. Foto: dpa/Markus Scholz

Osnabrück. 300 Millionen Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen in den beiden vergangenen Jahren zur Förderung neuer Stellen in der Pflege bereitgestellt. Genutzt haben die Krankenhäuser bislang allerdings nur etwa die Hälfte der Summe. Schuld sind nicht nur, aber auch die Krankenhäuser. Ein Kommentar.

Die gute Nachricht vorweg: 2228 Stellen wurden im vergangenen Jahr in der Pflege neu geschaffen. Das ist auf erfreulich, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein – bei Zehntausenden fehlenden Pflegekräften. Geld alleine löst das Problem nicht. 

Denn Stellen zu schaffen ist das eine sie dann aber auch besetzen zu können das andere. Die zukünftigen Pflegekräfte müssen schließlich erst auf dem Arbeitsmarkt gefunden oder ausgebildet werden. Dabei scheint der Anreiz für diesen Beruf schlichtweg nicht mehr groß genug zu sein. Solange die Arbeitsbedingungen die gleichen bleiben, wird sich das auch nicht ändern. Genauso muss auch die gesellschaftliche Akzeptanz für diesen Knochenjob gefördert werden.

Der Schwarze Peter darf aber nicht nur dem Arbeitsmarkt zugeschoben werden. Dass Krankenhäuser nur zehn Prozent zu den Lohnkosten beisteuern müssen, sollte eigentlich die Hürde, neues Personal einzustellen, senken. Allerdings scheinen sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt zu haben und tragen das Problem weiterhin auf dem Rücken derer aus, die jeden Tag aufs Neue diese Missstände auffangen, nämlich die Mitarbeiter. Spätestens wenn nächstes Jahr das neue Pflege-Sofortprogramm greift, nach dem die Kliniken sogar nichts mehr dazu zahlen müssen, gibt es endgültig keine Ausreden mehr.


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