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26.07.2018, 15:59 Uhr TAUSENDE PASSAGIERE GESTRANDET

Streiks bei Ryanair: Einer muss eben zahlen

Von Marion Trimborn


Es darf niemanden überraschen, dass bei Ryanair gestreikt wird. Foto: Francisco Seco/dpaEs darf niemanden überraschen, dass bei Ryanair gestreikt wird. Foto: Francisco Seco/dpa

Osnabrück. Auch wenn die Streiks bei Ryanair für viele Passagiere zur Unzeit kommen - sie dürften niemanden überraschen. Die Billig-Airline beutet ihre Mitarbeiter aus, damit der Preis stimmt. Aber dieses Modell stößt nun an seine Grenzen. Ein Kommentar

Es ist eine Faustregel, die viele Kunden schon vergessen hatten: Wenn ein Produkt billig ist, muss irgendjemand anders den Preis zahlen. Im Fall von Ryanair sind das die Mitarbeiter.

Bei dem irischen Billigflieger, der sich so gerne ein revolutionäres und freches Image gibt, sind die Missstände groß: Prekäre Arbeitsverträge wie Zeitarbeit und Scheinselbstständigkeit sind an der Tagesordnung. Stewardessen gehen mit gerade mal 1000 Euro netto nach Hause und müssen auch noch selbst für Getränke an Bord zahlen.

Kein Wunder, dass Ryanair nun so heftig bestreikt wird wie nie zuvor. Auch wenn die Streiks mitten in der Ferienzeit für die Passagiere ärgerlich sind: Der Zeitpunkt gibt den Mitarbeitern ein ideales Druckmittel in die Hand.

In bewährt unverschämter Manier hat Ryanair-Chef Michael O‘Leary schon klar gemacht, was streikenden Arbeitnehmern droht, nämlich der Rauswurf. Das ist nichts anderes als Erpressung. Inakzeptabel ist auch, dass er keinen Anlass sieht, Kunden zu entschädigen – da könnten ihn wie schon so oft die Gerichte eines Besseren belehren.

Es zeigt sich, dass die Billig-Airline, die viele Jahre rasant gewachsen ist, an ihre Grenzen stößt. Die Mitarbeiter machen längst nicht mehr alles mit – und die Kunden auch nicht. Der Preis ist eben doch nicht alles, auch Image und Zuverlässigkeit müssen stimmen. Beides setzt O‘Leary gerade aufs Spiel.


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