Trotz Datenskandals EU-Kommission zahlt Millionen an Facebook für Onlinewerbung

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die EU-Kommission zahlt im Schnitt jährlich eine Million Euro an Facebook für Online-Werbung. Foto:  Josh Edelson/AFPDie EU-Kommission zahlt im Schnitt jährlich eine Million Euro an Facebook für Online-Werbung. Foto: Josh Edelson/AFP

Osnabrück. Der Datenskandal bei Facebook hat hohe Wellen geschlagen. Manche Unternehmen haben ihre Werbeausgaben deswegen zurückgefahren. Trotz aller Kritik setzt die EU-Kommission weiter auf Werbekampagnen bei Facebook.

Ungeachtet des Facebook-Datenskandals zahlt die EU-Kommission im Schnitt mehr als eine Million Euro jährlich für Onlinewerbung an Facebook. Das geht aus einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage der Linken im EU-Parlament hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach zahlte die EU-Behörde in einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren (von November 2014 bis April 2018) insgesamt 3,94 Millionen Euro direkt an das Unternehmen oder indirekt über Agenturen, um Werbung auf Facebook zu schalten.

Begründung: Mit Facebook die Bevölkerung erreichen

Zur Begründung schreibt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: „Die Kommission ist der Ansicht, dass Facebook und andere soziale Medien eine kostengünstige Möglichkeit darstellen, um große Teile der EU-Bevölkerung zu erreichen.“ Wie viele andere internationale Organisationen und öffentliche Einrichtungen habe die Kommission bei wichtigen Ereignissen, etwa der Lancierung von EU-Kampagnen, Beiträge auf den Facebook-Seiten der Kommission hervorgehoben. Dazu zählten die Investitionsoffensive für Europa und der 60. Jahrestag der EU. Nach Ansicht der EU-Kommission wirkt sich diese Öffentlichkeitsarbeit positiv aus, weil sie den Bürgern „den konkreten Nutzen“ der EU-Finanzierung und EU-Förderung gezeigt habe. Bürger, die auf Facebook von der Kampagne erfuhren, hätten diese positiver wahrgenommen.

Kritik von Linken

Von der Linken kam Kritik. Der Europaabgeordnete Martin Schirdewan , der die Anfrage gestellt hatte, sagte: „Die EU-Institutionen sind ein guter Kunde von Facebook. Da braucht sich niemand wundern, dass die Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Europäischen Parlament so peinlich verlaufen ist.“ Schirdewan forderte, dass die europäischen Institutionen dem Datenschutz der User höchste Priorität einräumen sollten. Die EU-Kommission schrieb dazu nur: „Facebook ist dazu verpflichtet, respektvoll mit den Daten seiner Kunden umzugehen. Das Unternehmen muss die neue Datenschutz-Grundverordnung einhalten.“

Lesen Sie auch, wie die US-Behörden gegen Facebook vorgehen

Die Zahlungen an Facebook waren laut Statistik zuletzt sogar noch gestiegen. Von den knapp 4 Millionen Euro zahlte die EU-Kommission und ihre Generaldirektionen knapp 1,8 Millionen Euro. Die Ländervertretungen der EU-Kommission überwiesen 2,16 Millionen Euro, darunter die deutsche Vertretung 323 574 Euro.

Steuerpraxis von Facebook in der Kritik

Facebook steht auch wegen seiner Steuerpraxis in der Kritik, weil der Fiskus auf die Umsätze großer Internetfirmen wie Google, Facebook und Twitter nicht zugreifen kann. Die EU-Kommission plant deshalb eine Digitalabgabe für solche Firmen

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass es massive Datenlecks und einen mangelnden Schutz privater Daten bei Facebook gab. So saugte die Beratungsfirma Cambridge Analytica auf Facebook Daten von Millionen von Nutzern ab und nutzte sie für dubiose Zwecke. Viele Unternehmen hatten daraufhin angekündigt, ihre Werbeausgaben erst einmal einzufrieren.

Inzwischen sind viele aber zum Normalgeschäft zurückgekehrt. Das liegt vor allem an der starken Marktstellung von Facebook, mit der die Plattform für Werbungstreibende so gut wie unverzichtbar ist. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich mehrfach öffentlich entschuldigt und die Einstellungen zur Privatsphäre verbessert. Bei einer Anhörung im Europaparlament konnte Zuckerberg Ende Mai fast allen unangenehmen Fragen problemlos ausweichen. Es gab deshalb Kritik daran, dass die Abgeordneten nicht hart genug gefragt hätten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN