Juncker in Washington Ökonomen: Trump mit Freihandelszone beim Wort nehmen

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Osnabrück . Unmittelbar vor dem Spitzentreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker an diesem Mittwoch in Washington drängen Topökonomen wie Clemens Fuest und Marcel Fratzscher darauf, Trump im Handelsstreit beim Wort zu nehmen.

„Juncker sollte den Vorschlag der USA beim G-20-Gipfel aufgreifen, eine Freihandelszone zwischen Nordamerika, Japan und Europa zu errichten“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, unserer Redaktion. Er forderte, Juncker müsse sich klar für Freihandel positionieren und könne so zugleich prüfen, „ob das Angebot von Donald Trump ernsthaft ist“.

Zur Begründung des Vorschlags sagte Fuest: „Damit würden alle Zölle im Handel zwischen diesen Ländern abgeschafft, ein Handelskrieg würde verhindert. Diese Freihandelszone würde dem Wirtschaftswachstum einen Schub geben.“ Leider gebe es in der EU aber starke protektionistische Kräfte, die diesen Weg nicht gehen wollten, beklagte der Wissenschaftler.

Das Treffen zwischen Trump und Juncker könnte eine gute Chance sein, „den internationalen Handel zu retten und eine Eskalation des Handelskonflikts in letzter Sekunde zu verhindern“, meint Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Auch er verwies gegenüber unserer Redaktion auf den Vorschlag, eine große Freihandelszone zu schaffen und so gut wie alle gegenseitigen Zölle abzubauen. „Da die meisten sowieso schon eher gering oder abgeschafft sind, hätte dies ökonomisch kaum Auswirkungen, gleichzeitig könnte Trump nicht mehr behaupten, es ginge unfair zu“, sagte Fratzscher. Er betonte, ein solches Abkommen zwischen den G7-Ländern würde die Weltwirtschaft wohl vor massiven Schäden bewahren, die eintreten würden, wenn der Zollstreit eskaliert. „Keine Volkswirtschaft hätte dabei mehr zu verlieren als die deutsche, in der etwa jeder zweite Arbeitsplatz am Export hängt.“

Juncker hat mitteilen lassen, dass er ohne ein konkretes Angebot zum US-Präsidenten reisen werde. Ziel der EU ist es aber vor allem, Trump von der Einführung von Sonderzöllen auf Autoimporte abzuhalten. Diese würden vor allem die deutsche Wirtschaft deutlich stärker treffen als die bereits geltenden Abgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte.


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