Eskalation im Nahen Osten Armeesprecher: Israel schießt syrischen Kampfjet ab

Von dpa

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Rauch steigt vom nahegelegenen Dorf Tel Al Jumou auf, aufgenommen von einer Anhöhe des Bergs von Al-Jabiyeh, einer strategisch wichtigen Position, die kürzlich von der syrischen Armee zurückerobert wurde. Die syrische Armee hat seit dem 19. Juni bereits über 90 Prozent der Provinz Daraa zurückerobert. Foto: dpa/Ammar Safarjalani/XinHuaRauch steigt vom nahegelegenen Dorf Tel Al Jumou auf, aufgenommen von einer Anhöhe des Bergs von Al-Jabiyeh, einer strategisch wichtigen Position, die kürzlich von der syrischen Armee zurückerobert wurde. Die syrische Armee hat seit dem 19. Juni bereits über 90 Prozent der Provinz Daraa zurückerobert. Foto: dpa/Ammar Safarjalani/XinHua

Tel Aviv. Israel beobachtet heftige Kämpfe im Süden des Nachbarlands Syrien mit großer Sorge. Der jüdische Staat will ein Vorrücken pro-iranischer Kräfte bis an die Grenzlinie auf dem Golan um jeden Preis verhindern. Jetzt kam es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall.

Ein von Israel abgeschossenes syrisches Flugzeug ist nach Angaben eines Militärsprechers auf syrischem Gebiet abgestürzt. "Es wurde von zwei Abwehrraketen des Typs Patriot abgeschossen", sagte Armeesprecher Jonathan Conricus am Dienstag. "Das Flugzeug ist im südlichen Teil der syrischen Golanhöhen abgestürzt." Er könne nicht sagen, warum es in Syrien niederging, obwohl es in israelischem Luftraum abgeschossen wurde. "Vielleicht hat er gewendet", sagte Conricus. Das Schicksal des Piloten sei unklar. 

Das Flugzeug des Typs Suchoi sei auf dem syrischen Militärflugplatz T4 gestartet und sehr schnell in Richtung Israel geflogen. Der Jet sei zwei Kilometer tief in israelischen Luftraum vorgedrungen. Es sei unklar, ob dies absichtlich oder versehentlich geschah.

Angeblich mehrmals gewarnt

Israel habe vor dem Zwischenfall mehrere Warnungen über verschiedene Kanäle und in verschiedenen Sprachen abgegeben, sagte Conricus. "Wir wissen, dass es ein syrisches Flugzeug war, obwohl die Russen auch Kampfeinsätze in dieser Gegend fliegen."

Israels Armee sei in erhöhter Alarmbereitschaft, sagte Conricus. Man bestehe auf der Einhaltung des Truppenentflechtungsabkommens mit Syrien. Zu einem 1974 mit Syrien geschlossenen Waffenstillstandsabkommen gehört eine entmilitarisierte Zone an der Grenzlinie zu den israelisch besetzten Golanhöhen.

Die syrischen Regierungstruppen kämpfen im Süden des Bürgerkriegslandes gegen einen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Extremisten kontrollieren dort ein kleines Gebiet an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, es habe am Dienstag in der Region mehr als 100 Luftangriffe auf den IS gegeben.

Viele Rebellen kapitulierten

Die Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Wochen den Süden Syriens fast vollständig wieder unter Kontrolle gebracht. Die Armee und die mit ihr verbündete russische Luftwaffe hatten im Juni einen Offensive auf die Region um die Stadt Daraa begonnen. Nach anfänglichen Erfolgen gaben die meisten Rebellen nach Vereinbarungen mit der Regierung ihre schweren Waffen ab.

Bei den Kämpfen in Syrien abgefeuerte Raketen hatten bereits am Montag Israels Raketenabwehr aktiviert. Die israelische Armee teilte mit, zwei Raketen des Abwehrsystems "David's Sling" (Schleuder Davids) seien abgefeuert worden. Es habe die Sorge bestanden, die syrischen Raketen könnten auf israelischem Gebiet einschlagen. Die Raketen seien letztlich auf syrischem Gebiet niedergegangen.

Netanjahu will Abzug fremder Truppen

Auf den israelisch besetzten Golanhöhen und im Norden Israels heulten am Montag und Dienstag Warnsirenen. Anwohner berichteten von Explosionen. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Montag mit einer russischen Delegation über die gefährliche Lage in Syrien gesprochen. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte nach Medienberichten anschließend, Russland wolle pro-iranische Kräfte in Syrien künftig etwa 100 Kilometer von der Grenzlinie zu Israel fernhalten.

Netanjahu habe bei dem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow aber darauf bestanden, längerfristig müssten alle iranischen Truppen und ihre Verbündeten aus ganz Syrien abziehen.

Zu einem 1974 mit Syrien geschlossenen Waffenstillstandsabkommen gehört eine entmilitarisierte Zone an der Grenzlinie zu den israelisch besetzten Golanhöhen.


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