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Drogenkartelle: 100 Milliarden Dollar Umsatz

Von Klaus Ehringfeld


Mexiko-Stadt. Ein halbes Dutzend Kartelle kämpfen in Mexiko um den Binnenmarkt und die Routen für Schmuggelware aller Arten in die USA. US-Drogenfahndern zufolge ist Mexiko Drehkreuz für bis zu 90 Prozent des in den USA konsumierten Kokains. Die Kartelle versorgen den Markt auch mit Marihuana, Heroin und synthetischen Drogen.

Zudem verschieben die Mafia-Banden Autos und Waffen, schmuggeln Menschen, entführen, erpressen und dominieren das Geschäft mit Raubkopien. Die Jahresumsätze aller illegalen Geschäftstätigkeiten zusammen schätzen Experten auf jenseits der 100 Milliarden Dollar. Das entspricht zehn Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts. Die mexikanischen Kartelle haben nach Einschätzung von Experten für Organisiertes Verbrechen ihr Einflussgebiet inzwischen auf 47 Länder ausgeweitet. Elf davon liegen in Lateinamerika.

Nach Einschätzung der US-Antidrogenbehörde DEA ist das Sinaloa-Kartell das mächtigste Mexikos und eine der größten Verbrecherorganisationen in Lateinamerika. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ führt seinen Boss Joaquín Guzmán, genannt El Chapo, mit einem geschätztenpersönlichen Vermögen von einer Milliarde Dollar auf Platz 937 der Liste der reichsten Menschen.Das Sinaloa-Kartell handelt mit Marihuana, Kokain und synthetischen Drogen und ist auch in Menschenhandel verstrickt. Die Organisation ist in der Hälfte der 32 mexikanischen Bundesstaaten vertreten. Verbindungen hat sie Experten zufolge in rund 40 Länder, nachweisen konnte Interpol Zellen in Argentinien und Australien. Auffällig ist, dass in der Amtszeit von Präsident Felipe Calderón nur ein Prozent der Schläge gegen die mexikanische Mafia das Sinaloa-Kartell traf, was den Verdacht weckt, die Regierung stütze das Kartell.

Das Juárez-Kartell stammt aus Ciudad Juárez und wurde von Armando Carillo, dem berüchtigten „Señor de los Cielos“ (Herrn der Himmel) gegründet. Er setzte als Erster Flugzeuge ein, um Rauschgift in die USA zu bringen. Carillo starb 1997 auf einem OP-Tisch in Mexiko-Stadt unter mysteriösen Umständen, als er sich ein neues Gesicht machen lassen wollte. Heute liefert sich das Juárez-Kartell einen erbitterten Kampf mit dem Sinaloa-Kartell um die Vorherrschaft in der Grenzstadt. Das Juárez-Kartell ist in 17 mexikanischen Staaten vertreten; ihr Hauptgeschäft ist der Schmuggel von Kokain und Marihuana. Der Chef ist Vicente Carrillo Fuentes. Das Kartell hat in den vergangenen Jahren an Einfluss verloren.Das Golf-Kartell hat seinen Sitz in Matamoros (Bundesstaat Tamaulipas) am Golf von Mexiko. Der Boss Osiel Cardenas sitzt in den USA im Knast. Seine Sachwalter sind den Behörden nur zum Teil bekannt. Das Golf-Kartell schmuggelte in den neunziger Jahren vor allem Marihuana und Kokain. Später schlossen sich ihnen die „Zetas” als bewaffneter Arm an. Über die Zetas, die extrem brutal sind, kontrollierte das Golf-Kartell große Teile des mexikanischen Nordens und Ostens. Die Zetas spalteten sich 2009 ab, worauf ein äußerst blutiger Kampf zwischen den früheren Verbündeten vor allem in Tamaulipas entbrannte. Das Golf-Kartell ringt auch mit dem Sinaloa-Kartell im Süden Mexikos (Bundesstaaten Chiapas, Qunitana Roo, Tabasco) um Macht und Märkte.

Die Zetas sind die brutalste Drogenmiliz. Sie wurden von einer Elite-Einheit der mexikanischen Streitkräfte gegründet, die in den 90er-Jahren desertierte und als Killer-Bande zunächst zum Golf-Kartell überlief. Streng genommen sind sie kein Drogen-Kartell, sondern mischen in allen verbotenen Aktivitäten mit und finanzieren sich vor allem durch Erpressung und Entführung. Auf ihr Konto geht der Mord an den 72 Migranten aus Süd- und Zentralamerika. Weitere Kartelle: die Beltrán-Leyva-Bande, La Familia Michoacana und das Tijuana-Kartell.


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