„Erdogan-Foto nicht privat“ Unions-Innenexperte: Özil macht es sich zu einfach

Von Beate Tenfelde

Unions-Innenexperte Mathias Middelberg sieht den Fall Mesut Özil „mitnichten  als Privatsache“. Fotograf: Hermann PentermannUnions-Innenexperte Mathias Middelberg sieht den Fall Mesut Özil „mitnichten als Privatsache“. Fotograf: Hermann Pentermann

Osnabrück. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mathias Middelberg, hat Fußballspieler Mesut Özil vorgehalten, es sich in seiner Rückzugs-Erklärung „zu einfach“ zu machen.

„Die Repräsentation unseres Landes im Nationaltrikot hat auch eine politische Dimension“, sagte Middelberg unserer Redaktion. Das Foto des deutschen Nationalspielers mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei „mitnichten eine Privatsache“ und auch „keine unpolitische Petitesse“. Özil gehe darauf in seiner Erklärung mit keinem Wort ein. Kern der Kritik in seinem Fall sei, dass Erdogan sein Amt missbrauche, um seinen Bürgern Grundfreiheiten zu verwehren. „Erdogan verweigert Freiheitsrechte wie die freie Meinungsäußerung, die auch Mesut Özil hierzulande in Anspruch nimmt“, erklärte Middelberg. Der CDU-Politiker hob zugleich hervor, dass dem Fußballer „Dank gebührt für seine Leistungen im Deutschlandtrikot“. Es sei sehr bedauerlich, dass Özil nicht mehr für Deutschland spielen möchte. „Auch müssen wir respektieren, dass er wie viele Zuwandererkinder zwei nationale Loyalitäten empfindet“, erklärte Middelberg. Bei so zentralen Dingen wie Menschenrechten dürfe dies aber „nicht als Grund für eine Relativierung herhalten“ .

Trittin: Anstand fehlt

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat unterdessen der Führungsriege des Deutschen Fußballbundes (DFB) im Fall Mesut Özil einen „eklatanten Mangel an Anstand und Kompetenz“ bescheinigt. „DFB-Präsident Reinhard Grindel und Team-Manager Oliver Bierhoff haben dabei ihr Kreisklassenniveau bewiesen“, sagte Trittin unserer Redaktion. Das Foto Özils mit Erdogan sei „ein schwerer Fehler“ gewesen, das anschließende Krisenmanagement sei aber vor allem dem DFB anzulasten. Dass dieser nun Özil dafür „zum alleinigen Sündenbock macht, ist unterste Schublade“, sagte der Ex-Minister. Damit seien Jahre der Anti-Rassismus-Kampagnen des DFB Makulatur und viele Integrationsleistungen dahin. Sportlich gesehen sei Özils Rücktritt als Nationalspieler „ein herber Verlust“, betonte der Grüne.


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