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23.07.2018, 05:30 Uhr KOMMENTAR ZU KONTROLLEN IM STALL

Tierschutz: Es braucht keinen Überwachungsstaat, aber...

Kommentar von Dirk Fisser

Diesen Schweinen geht es gut. Foto: Jörn MartensDiesen Schweinen geht es gut. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ställe in Deutschland werden kaum von Behörden kontrolliert. Im Schnitt schauen Amtsärzte nur alle 20 Jahre nach, wie es den Tieren geht. Wenn Veterinäre denn kontrollieren, haben sie zumindest im vergangenen Jahr in jedem vierten Fall etwas zu beanstanden gehabt. Ein Kommentar.

In einer arbeitsteiligen Gesellschaft vertraut der Konsument darauf, dass der Produzent ordentlich arbeitet. Im Fall vom Fleisch heißt das: Landwirte halten ihre Tiere nach dem Maßstab von Recht und Gesetz ordentlich. Ungeachtet aller Skandale bezweifeln das wohl nur wenige Verbraucher. Sie vertrauen dem Bauern. Sie vertrauen aber auch dem Staat, dass er diejenigen Tierhalter erwischt, die es nicht ordentlich machen, deren Tiere leiden.

Dieses Vertrauen in den Staat ist nicht gerechtfertigt. Wenn zum Teil ein Amtstierarzt umgerechnet 1000 Betriebe betreuen muss, dann ist das ein so krasses Missverhältnis, dass es auch das Vertrauensverhältnis zwischen Landwirt und Verbraucher beschädigt. Die steten Veröffentlichungen heimlich gemachter Aufnahmen aus Ställen dokumentieren nicht nur Tierschutzverstöße, sondern auch das Staatsversagen in diesem Bereich. Das heißt nun nicht, dass jedem Schwein ein Amtsarzt zur Seite gestellt werden muss. Deutschland ist kein Überwachungsstaat. Aber es müssen Wege gefunden werden, die Kontrollen von Tierhaltungen effektiver zu gestalten. Mehr Personal ist nur ein Mittel. Das bessere Ausnutzen von vorliegenden Daten ein anderes.

Am Ende gilt: All das Gerede dieser Tage über Tierwohl ist am Ende nichts wert, wenn es nur alle 20 Jahre kontrolliert wird.


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