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20.07.2018, 19:11 Uhr KOMMENTAR

Kirchen verlieren Mitglieder: Dennoch ein kleiner Lichtblick

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Die Kirchen verlieren mehr und mehr Mitglieder. Foto: dpaDie Kirchen verlieren mehr und mehr Mitglieder. Foto: dpa

Osnabrück. Der Mitgliederschwund der beiden großen Kirchen setzt sich fort. Schuld ist vor allem der demografische Wandel: Es sterben mehr Mitglieder als neue dazukommen, auch treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Doch die Zahlen enthalten auch einen Hoffnungsschimmer.

Wie Weihnachten kehrt sie wieder, die Statistik zu schwindenden Mitgliederzahlen der Kirchen. Doch dieses Mal enthalten die Zahlen aus Kirchensicht sogar einen Lichtblick. Wie kann das sein?

Natürlich ist es ein harter Schlag, wenn die Kirchen mehr als 600000 Mitglieder verlieren, zumeist durch Sterbefälle. Andere Gründe ergeben sich aus der üblichen Litanei der Kirchenkritiker, deren Bogen vom Zölibat bis zum antiquierten Weltbild reicht. Und falsch ist diese Kritik ja auch nicht. Nur wie erklärt es sich, dass es mehr Neu- und Wiedereintritte als Austritte gibt?

Offenbar bilden christliche Werte in einer Welt, in der jedes Lebenskonzept möglich ist, weiterhin einen stabilen, schützenden Rahmen. In einer Gesellschaft, in der Hass salonfähig wird, wirken die Kirchen mit ihrer unerschütterlichen Botschaft der Liebe plötzlich modern und emotional erwachsen. Umfragen zeigen, dass selbst Kritiker der Institution Kirche deren Werte teilen.

Den demografischen Wandel können die Kirchen nicht stoppen. Wollen sie ihren Status also halten, müssen sie für sich werben. Sie müssen ihre Skandale aufklären, klar machen, wofür sie stehen und sich selbst kritisch hinterfragen. Denn was nützt eine moderne Botschaft der Nächstenliebe, wenn die Strukturen dahinter mehr und mehr verknöchern?


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