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20.07.2018, 14:11 Uhr KOMMENTAR

Merkel, die Felsin

Kommentar von Burkhard Ewert

Traditionell verabschiedet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit einer großen Pressekonferenz in die Sommerpause. Sie fand heute in Berlin statt. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpaTraditionell verabschiedet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit einer großen Pressekonferenz in die Sommerpause. Sie fand heute in Berlin statt. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa

Osnabrück. Angela Merkel, die Felsin. Keinen Millimeter wich sie, nicht einmal wankte die Kanzlerin, als die Hauptstadtpresse sie immer wieder nach Horst Seehofer fragte, immer wieder nach ihren Zukunftsplänen. Merkel war, wie sie immer war. Aber wie lange kann sie es noch sein? Ein Kommentar.

Erschöpfung? Putschversuch? Besteht das Kabinett bis zum Ende der Wahlperiode? Merkel schwieg dazu eisern und ließ wissen, sie habe gesagt, sie trete für die gesamte Legislaturperiode an; alles andere wisse man hinterher. Und was war vorher nicht alles geraunt worden im Land und von manchem vielleicht auch heimlich erhofft: Wie lange macht sie noch? Lässt sie sich aus Bayern wirklich alles bieten? Aber keine Rede von einer Reaktion. Es gab eine CDU-Vorsitzende und Kanzlerin, so wie sie immer war, und so, wie sie immer ist. Merkel ließ sich auf ihrer Sommerpressekonferenz nicht im Ansatz aus der Ruhe bringen, wiederholte ihre Aussagen lieber vierfach, statt sich nur einmal eine Blöße zu geben.

Risse im Felsen

Allerdings: Auch ein Fels kann Schaden nehmen. Er bekommt Kratzer, Sprünge und irgendwann Risse, bis er auseinander fällt. Und vor allem ist er einigermaßen unbeweglich. Auch dies beides trifft auf Merkel zu und sollte ihr zu denken geben. Ihre Art der Meinungsbildung, wie man sie inzwischen kennt, geschieht gründlich und gut informiert, souverän und ausgewogen. Das flößt Respekt und Vertrauen ein. Aber trotz aller Erfahrung –  vielleicht deswegen – gelingt es Merkel zunehmend weniger, die Menschen mitzunehmen. Ihre Kritiker sowieso, aber auch ehemals Wohlgesonnene sehen, dass die Konstanz der Kanzlerin nicht nur Stärke ist, sondern zu einem beträchtlichen Teil auch aus Sturheit besteht. Früher oder später wird es auf diese Weise zu Rissen kommen.   

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