Ein Bild von Beate Tenfelde
19.07.2018, 16:35 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Umfragetief und Führungsstreit: Die Uhr für die CSU tickt

Kommentar von Beate Tenfelde

Horst Seehofer, CSU-Chef und Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, sieht eine „gezielte Kampagne“ gegen sich und die CSU. Foto:dpaHorst Seehofer, CSU-Chef und Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, sieht eine „gezielte Kampagne“ gegen sich und die CSU. Foto:dpa

Berlin/München. Weniger als drei Monate vor der Bayernwahl hat die CSU einen Tiefpunkt erreicht. Die Wähler wenden sich laut aktueller Umfrage ab, die Parteispitze streitet und der Vorsitzende Horst Seehofer sieht sich als Opfer einer Kampagne. Der Bundesinnenminister wies Spekulationen zurück, dass er am 14. Oktober bei einem Debakel bei der Landtagswahl in Bayern als CSU- Vorsitzender zurücktreten könnte. Ein Kommentar..

Ernüchterung, Nachdenklichkeit oder zumindest mal Stille hätte man vom CSU-Führungspersonal erwarten dürfen. Das Rekordtief von 38 Prozent in der jüngsten Umfrage muss für die Christsozialen Anlass zur Selbstprüfung sein, ob die Niedertracht der letzten Wochen wirklich nötig war. Aber nein, Bundesinnenminister Seehofer grantelt weiter. Jetzt bricht sich der alte Groll gegen Markus Söder wieder Bahn. Der hat ihn schon aus dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten verdrängt und trachtet nun danach, Seehofer als Parteichef loszuwerden. Es ist schlau von Söder, die Ursache der aktuellen CSU-Probleme in Berlin zu verorten. Er wäre fein raus.

So geht die Saat des Bösen immer weiter auf. Statt sich jetzt mit den tatsächlichen Problemen bei den oft undurchsichtigen Asylverfahren, den fehlenden internationalen Verträgen oder dem Mangel an Perspektiven für viele Migranten auseinanderzusetzen, lähmt sich die CSU drei Monate vor der Bayernwahl selbst durch eine handfeste Krise. Sie holzte wie die AfD, um diese überflüssig zu machen. Das gelang nicht. Jetzt aber wenden sich die gemäßigten Wähler angewidert ab.

Noch ist die „Union der Mitte“, gegründet von einem 29-jährigen CSU-Vorständler aus München-Laim, für Seehofer, Söder und Co. nicht gefährlich. Geht das CSU-Desaster weiter, könnte eine Widerstandsbewegung daraus werden. Die verbohrten Christsozialen merken nicht, dass die Uhr tickt.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN