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18.07.2018, 17:43 Uhr KOMMENTAR ZU BUNDESWEHR

Wenn der Gleichschritt zum Rückschritt wird

Kommentar von Katharina Ritzer

Mit einer neuen Grundausbildung will die Bundeswehr die körperliche Leistungsfähigkeit der Rekruten steigern. Doch nicht jeder Soldat muss topfit sein; die Truppe bietet inzwischen eine Vielzahl von Jobs. Foto: Axel Heimken/dpaMit einer neuen Grundausbildung will die Bundeswehr die körperliche Leistungsfähigkeit der Rekruten steigern. Doch nicht jeder Soldat muss topfit sein; die Truppe bietet inzwischen eine Vielzahl von Jobs. Foto: Axel Heimken/dpa

Osnabrück. Mit schadhafter Ausrüstung schlägt sich die Bundeswehr schon länger herum, nun bereitet auch die körperliche Fitness der Soldaten Sorgen. Die Gleichmacherei in der Grundausbildung mag während der Wehrpflicht Sinn gemacht haben, für eine Freiwilligenarmee taugt sie aber nicht mehr. Ein Kommentar.

Bei einem so großen Laden wie der Bundeswehr ist ein größtmöglicher Gleichschritt bei vielen Dingen von Vorteil – sowohl bei der Ausrüstung als auch in der Ausbildung. Ein zum Wetter passendes Beispiel: Viele Kameraden würden derzeit gerne den Sommerdienstanzug tragen. Doch es gilt eisern: Die sandfarbene Kombination aus Hose und Jacke darf nicht innerhalb Deutschlands getragen werden, sondern nur südlich des 40. Breitengrades Nord – und der verläuft ungefähr auf der Höhe Madrids.

Dieser Gleichschritt war zu Zeiten der Wehrpflicht sicher auch in der Grundausbildung sinnvoll, doch für eine Armee der Freiwilligen kommt er eher einem Rückschritt gleich. Selbstverständlich müssen die Soldatinnen und Soldaten, die kämpfen wollen und sollen, topfit sein. Da ist die Truppe gut beraten, wenn sie wie geplant ein individuelles sportliches Einstiegsprogramm auflegt und jeden Rekruten nach seinem ganz persönlichen körperlichen Zustand einstuft – ganz so wie es bei einer Erstberatung im Fitnessstudio auch gemacht wird.

Doch auch wenn die meisten Soldatinnen und Soldaten für Kampfeinsätze vorgesehen sind, so gibt es doch auch viele weitere Jobs beim Bund. Bei denen kommt es mehr darauf an, wie fit jemand am Joystick, in der Organisation oder in Fremdsprachen ist. Wenn hier vom einförmigen Gleichschritt abgewichen wird, wäre das sicher ein Fortschritt.


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