Notfallversorgung Hausärzte kritisieren Notaufnahme-Gebühr

Von Stefanie Witte und afp

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Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte angesichts überfüllter Notaufnahmen eine Gebühr ins Gespräch gebracht.  Foto: dpaDer Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte angesichts überfüllter Notaufnahmen eine Gebühr ins Gespräch gebracht. Foto: dpa

Osnabrück. Die Kritik am Vorstoß der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für eine Notaufnahme-Gebühr in Kliniken hält an. Hausärzte und Patientenschützer lehnen die Idee ab.

Die deutschen Hausärzte lehnen die Idee einer Zahlung für den Besuch einer Notaufnahme ab. „Wir halten nichts von einer Notaufnahme-Gebühr“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Es bestehe die Gefahr, dass echte Notfälle abgeschreckt würden. „Man sollte das Problem deutlich früher anpacken und nicht erst, wenn die Patientinnen und Patienten schon vor dem Krankenhaus stehen.“

Weigeldt plädierte für ein System, in dem der Hausarzt der feste Ansprechpartner des Patienten ist. Dazu könne es helfen, sich bei einem Hausarzt seiner Wahl einzuschreiben. Studien zeigten, dass dadurch die Notaufnahmen entlastet werden könnten. In diesem Zusammenhang sei es sinnvoll, wenn die Krankenkassen Patienten, die sich freiwillig daran halten, an den finanziellen Einsparungen beteiligen würden. „Damit wäre mehr erreicht als mit irgendwelchen Straf-Zahlungen“, sagte der Mediziner. Er forderte, die Allgemeinmedizin zu stärken. Der Idee, niedergelassene Ärzte in Krankenhäusern einzusetzen, erteilte Weigeldt eine Absage. „Immer noch fehlen in vielen Regionen Hausärztinnen und Hausärzte. Wenn diese jetzt auch noch den Bereitschaftsdienst in Krankenhäusern übernehmen sollen, dann fehlen sie in der ambulanten Versorgung.“ Das würde die Situation nur verschlimmern.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete die Überlegungen in der „Passauer Neuen Presse“ als „abwegig“. Kritik kam auch von den gesetzlichen Krankenkassen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte angesichts überfüllter Notaufnahmen eine Gebühr ins Gespräch gebracht. Damit soll verhindert werden, dass in die Notaufnahme Patienten kommen, bei denen eigentlich eine Behandlung durch einen niedergelassenen Arzt ausreichend wäre. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen schlägt eine Gebühr von 50 Euro vor.

Lauterbach wies das entschieden zurück. Das Problem sei, dass Patienten bei Fachärzten viel zu lange auf eine akute Behandlung warten müssten. „Anstelle dieses Problem endlich zu lösen, will die Kassenärztliche Vereinigung die Patienten bestrafen“, sagte der SPD-Politiker. „Was für eine irrige Idee!“ Viele Patienten könnten selbst gar nicht entscheiden, ob sie in die Rettungsstelle müssten oder mehr Zeit für eine Behandlung bleibe, sagte der SPD-Fraktionsvize weiter. Er schlug vor, dass in den Notfallzentren der Kliniken auch niedergelassene Ärzte arbeiten sollten. Sie könnten dann Fälle übernehmen, die keiner Notfallbehandlung bedürften. Auch längere Öffnungszeiten von Arztpraxen würden helfen.

Auch die Grünen-Politikerin Kappert-Gonther wies den Vorschlag einer Notaufnahme-Gebühr zurück. „Kein Mensch setzt sich aus Langeweile in die Notaufnahme. Gebühren sind der falsche Weg, weil sie Menschen aus finanziellen Gründen davon abhalten können, sich nötige Hilfe zu suchen.“

Statt Eintrittsgelder zu verlangen, müsse die Notfallversorgung verbessert werden, forderte Kappert-Gonther. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse bis Ende des Jahres Vorschläge zu einer umfassenden Reform der Notfallversorgung auf den Tisch zu legen. Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte müssten besser als bislang zusammenarbeiten.Kritik am Vorstoß der Kassenärzte kam auch vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). „Erst kümmern sich die Kassenärztlichen Vereinigungen jahrelang nicht ordentlich um den Bereitschaftsdienst in der Nacht, an den Abenden und den Wochenenden und jetzt, wo die kranken Menschen die Kliniken aufsuchen, will der Chef der Kassenärzte sie dafür mit Zusatzkosten bestrafen“, erklärte GKV-Sprecher Florian Lanz.Das sei eine „merkwürdige Idee“, befand er. Notwendig seien in den Krankenhäusern zentrale Anlaufstellen, an denen die Patienten sowohl in die Notaufnahme der Klinik als auch zu niedergelassenen Ärzten weitergeleitet würden.


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