Konsequenz bei Verzicht auf Mittel erfragt Glyphosat-Ausstieg: Eine Million Tonnen weniger Weizen?

Von Dirk Fisser

Weizen auf einem Feld in Bayern. Foto: dpaWeizen auf einem Feld in Bayern. Foto: dpa

Osnabrück. Die Weizen-Ernte in Deutschland könnte nach dem geplanten Glyphosat-Ausstieg künftig um mehr als eine Million Tonnen geringer ausfallen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor.

Demnach verweist das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Schätzungen des bundeseigenen Julius-Kühn-Institut, wonach der Weizen-Ertrag bei einem Verzicht auf das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel um bis zu fünf Prozent geringer ausfallen könnte. Berechnungen in einem Bericht im Auftrag des Interessenverbandes der europäischen Pflanzenschutzindustrie gingen gar von bis zu 22 Prozent weniger Weizen aus. Die Ernte lag im vergangenen Jahr bei 24,5 Millionen Tonnen. Demnach läge der Verlust möglicherweise zwischen 1,2 und 5,4 Millionen Tonnen. (Weiterlesen: Risikoforscher: Darum haben Deutsche so viel Angst vor Glyphosat)   

Kosten für Alternativen

Zudem kommen auf Landwirte bei einem Glyphosat-Ausstieg gegebenenfalls Mehrkosten für alternative Unkrautbekämpfung zu. Die Bundesregierung taxiert diese ebenfalls auf Basis von Berechnungen des Julius-Kühn-Institut zwischen 0 und 100 Euro pro Hektar. Fehlen beispielsweise entsprechende Maschinen auf dem Betrieb, müssten diese zunächst gekauft werden. Das Ministerium stellt klar: „Diese Berechnungen zeigen, dass der Verzicht auf Glyphosat unter bestimmten Bedingungen ohne zusätzliche Kosten für den Betrieb möglich ist.“ Das Bundesumweltministerium gehedavon aus, dass „bei einer angepassten nachhaltigen Bewirtschaftungsweise, die die biologische Vielfalt erhält, mittelfristig Kosteneinsparungen“ möglich seien, heißt es in der Antwort.

FDP: Alternativen nicht besser für Umwelt

Die Bundesregierung will den Glyphosat-Einsatz in Deutschland deutlich einschränken. Ziel ist der Komplettausstieg. Das Ministerium räumt in der Antwort allerdings auch ein, dass es nach Kenntnis der Regierung derzeit keinen adäquaten chemischen Ersatz für das Mittel gibt. Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Judith Skudelny kritisierte die Ausstiegspläne der schwarz-roten Regierung. „Eine nicht mehr kostendeckende Landwirtschaft wird billigend in Kauf genommen.“ Zudem sei der Verzicht nicht nachhaltig: Ohne Glyphosat müssten Böden künftig wieder vermehrt mechanisch bearbeitet werden. Das führe aber zum Abtrag von Böden. Das bisher beste Gegenmittel sei Glyphosat gewesen, so Skudelny.

Klagen gegen Monsanto

Glyphosat wird von der Bayer-Tochter Monsanto hergestellt. Das Mittel steht im Verdacht krebserregend zu sein. Monsanto muss sich zahlreichen US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken ihres Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat stellen. Der US-Richter Vince Chhabria, bei dem viele Sammelklagen gebündelt sind, machte zuletzt den Weg für einen möglichen Prozess gegen den Saatgutriesen in San Francisco frei.

In ihrer Gesamtheit betrachtet sei die Beweislage zwar vermutlich zu zweideutig, um den klaren Schluss zuzulassen, dass Glyphosat, wie von den Klägeranwälten behauptet, Lymphdrüsenkrebs verursache, heißt es in der Begründung des Richters. Doch seien genug Einschätzungen von Experten vorgetragen worden, die die Argumentation der Kläger insoweit stützten, dass ein Gerichtsprozess angemessen sei. 

Krebs durch Glyphosat?

Die dabei verhandelte Klage des 46-jährigen Dewayne Johnson, bei dem 2014 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde, wurde anderen Fällen vorgezogen, weil der Mann bereits im Sterben liegt. Johnson macht Monsantos Roundup für sein tödliches Leiden verantwortlich und wirft dem neuerdings zum Dax-Riesen Bayer gehörenden US-Unternehmen vor, die Gefahren des weltweit stark verbreiteten Unkrautvernichters verschwiegen zu haben. Monsanto weist die Vorwürfe energisch zurück. (Früherer Gärtner aus Hagen: Pestizide haben mich krank gemacht)


Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält. Foto: dpa



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