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17.07.2018, 17:43 Uhr KOMMENTAR ZU UNTERHALT

Drückeberger beim Unterhalt: Staat darf Härte zeigen

Kommentar von Katharina Ritzer

Wenn ein alleinerziehender Elternteil keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommt, springt der Staat ein. Allerdings hat der sich selbst mit der Reform des Gesetzes mehr bürokratischen Aufwand geschaffen. Foto: Peter Kneffel/dpaWenn ein alleinerziehender Elternteil keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommt, springt der Staat ein. Allerdings hat der sich selbst mit der Reform des Gesetzes mehr bürokratischen Aufwand geschaffen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Osnabrück. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht - das lässt sich über die seit einem Jahr geltende Reform des Unterhaltsvorschusses für Kinder sagen. Seit dieser nicht mehr nur bis zum zwölften Lebensjahr gewährt wird, sondern bis zum 18. Geburtstag, ist das bürokratische Chaos perfekt. Ein Kommentar.

Was passiert, wenn ein alleinerziehender Elternteil vom anderen Elternteil mit den Kosten für das gemeinsame Kind im Regen stehen gelassen wird? Damit derlei Drückebergerei nicht zulasten der Kinder geht, springt der Staat ein und zahlt Unterhaltsvorschuss – wobei dieses Geld in den meisten Fällen verloren ist, denn es gelingt nur selten, die säumigen Elternteile zur Verantwortung zu ziehen.

Damit ist die Zielgruppe dieser Hilfe recht klar umrissen: Alleinerziehende, die kaum oder keinen Unterhalt bekommen, oft aber Hartz IV, weil sich alleinige Kindererziehung und Vollzeitarbeit nur schwer vereinbaren lassen. Warum der Anspruch auf Unterhalt bis zur Reform vor einem Jahr mit dem zwölften Lebensjahr des Kindes plötzlich endete, war nie nachvollziehbar. Jetzt zahlt Vater Staat den Kindern Unterhalt bis zum 18. Lebensjahr – gut angelegtes Geld. Das allerdings türmt neue bürokratische Hürden auf, sobald die Kinder eine Ausbildung beginnen: Die Vergütung dafür muss kompliziert mit den anderen Ansprüchen des Elternteils verrechnet werden. Hier war gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht.

Der Staat darf ruhig mehr Härte zeigen bei der Ermittlung der Drückeberger. Denn jeder Vater und, was ja durchaus auch vorkommt, jede Mutter, der oder die sich vor Unterhaltszahlungen drückt, sollte sich was schämen – und muss das üble Spiel mit den Chancen des Nachwuchses in erster Linie mit dem eigenen Gewissen ausmachen.


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