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16.07.2018, 18:27 Uhr KOMMENTAR

Zum Gipfel von Trump und Putin: Unterschätztes Russland

Kommentar von Burkhard Ewert

Die Bilder, die er wollte: Wladimir Putin hat derzeit einen Lauf. Auch seine Gegner müssen es anerkennen. Foto: Yuri Kadobnov/AFPDie Bilder, die er wollte: Wladimir Putin hat derzeit einen Lauf. Auch seine Gegner müssen es anerkennen. Foto: Yuri Kadobnov/AFP

Osnabrück. Wie schon bei der Fußball-WM hat Wladimir Putin beim Gipfel mit Donald Trump in Helsinki die Bilder bekommen, die er wollte. Seien sie ihm gegönnt, wenn es der Welt denn nutzt. Ein Kommentar.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – der Spruch des damaligen sowjetischen Staatschefs Michael Gorbatschow ist einigermaßen abgenutzt. Aber er sei noch mal verwendet, weil er diesmal umgekehrt gilt: Wer in der EU zu spät erkennt, dass das vergiftete Verhältnis zu Russland dringend einer Korrektur bedarf, muss eben zusehen, wie andere vorangehen – in diesem Falle der ungeliebte US-Präsident Donald Trump. Er sähe Russland gerne wieder bei den G8, er nennt russlandfeindliche Provokationen seines eigenen Landes dumm, sogar Agenten sieht er nur ihre Arbeit machen und rügt eher die Versäumnisse, die ihnen etwaige unerwünschte Einblicke ermöglichen.

Auf der anderen Seite Wladimir Putin. Dem Russen gelang es besser, als viele vermutet hätten, sowohl den Sanktionen etwas entgegenzusetzen als auch in der internationalen Politik sein Ende festzuhalten – Beispiel Syrien, Beispiel Ostukraine.

Zu greifbaren Schritten führte der Gipfel in Helsinki freilich nicht – wenn man es nicht als einen betrachtet, dass sich die Präsidenten derart auf Augenhöhe getroffen haben. Russland als Regionalmacht, wie noch Trumps Vorgänger Barack Obama abschätzig meinte? Davon ist keine Rede mehr. Putin hat die Bilder bekommen, die er brauchte. Seien sie ihm gegönnt, wenn es den Menschen nutzt, etwa in Syrien. Sie zahlen seit Jahren den Preis dafür, dass sich Russland unterschätzt fühlte – und dass es das wurde.

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