Kanzlerin würdigt häusliche Pflege Nach VdK-Interview: Debatte um Pflegegeld

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Osnabrück. Die meisten Pflegebedürftigen leben nicht in Heimen, sondern zu Hause. Die Kinder oder der Ehepartner übernehmen die Pflege selbst, oft neben Kindererziehung und Job. Sollte Pflegenden ein Pflegegeld zustehen?

Wer sich zu Hause um pflegebedürftige Angehörige kümmert, sollte aus Sicht des Sozialverbands VdK ein Pflegegeld nach Vorbild des Elterngelds bekommen. Pflege müsse endlich denselben Stellenwert bekommen wie Kindererziehung, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele im Interview mit unserer Redaktion. Aus dem Vorschlagn hat sich eine Debatte um den Wert der Pflege von Angehörigen entwickelt. Verbände und Politiker unterstützen die Idee.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Idee im Grundsatz richtig. „Es ist falsch, dass wir die Pflege von Eltern anders behandeln als die Erziehung von kleinen Kindern“, sagte er. „Beides muss unserer Gesellschaft gleich viel wert sein.“

In ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft hob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bedeutung der häuslichen Pflege hervor. Pflegende Angehörige müssten „viele Dinge unter einen Hut bringen: berufliche Arbeit, vielleicht Erziehung von Kindern und auch noch die Pflege“, sagte sie. „Viele viele Menschen sind von Pflegearbeit betroffen. Wir sollten das würdigen und sagen, dass das wirklich die Helden unseres Alltags sind.“ Das CDU-geführte Bundesgesundheitsministerium reagierte dagegen zurückhaltend: Derzeit stünde die professionelle Pflege im Fokus. Eine Sprecherin sagte, bereits in der vergangenen Legislaturperiode sei viel getan worden, was pflegenden Angehörigen zugute komme - darunter die Einführung neuer Pflegegrade, die zum Beispiel Demenz stärker berücksichtigen. Derzeit stünden Pflegekräfte im Fokus.

Beim Elterngeld erhalten Mütter und Väter, die nicht arbeiten, vorübergehend staatliche Leistungen von bis zu 1800 Euro im Monat. Für 2019 rechnet die Bundesregierung dafür mit Ausgaben von 6,86 Milliarden Euro. Ein Pflegegeld gibt es auch jetzt schon, es gehört zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Je nach Pflegegrad des Angehörigen, um den jemand sich ehrenamtlich kümmert, liegt es maximal bei 316 bis 901 Euro pro Monat. Es wird aber nicht an die Person gezahlt, die pflegt, sondern an die Person, die gepflegt wird.

Patientenschützer warfen der Bundesregierung eine „verzerrte Wahrnehmung“ vor. „Tatsächlich ist die Unterstützung für pflegende Angehörige ein staatliches Versagen auf ganzer Linie“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. So sei die gesetzliche Regelung der Pflegezeit, die Angestellte nehmen können, unattraktiv. „Für die hunderttausenden Menschen, die Beruf und Pflege unter einen Hut bringen müssen, ist das ein Hohn“, sagte Brysch.

dpa


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