Ukrainische Soldaten in Berlin behandelt Aufregung um Video: Hitlergruß vom Krankenlager?

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Seit 2014 werden ukrainische Soldaten in Deutschland medizinisch versorgt - auch Präsident Poroschenko besuchte bereits einmal einen Verwundeten in Berlin im Krankenhaus. Foto: imago/Ukrainian NewsSeit 2014 werden ukrainische Soldaten in Deutschland medizinisch versorgt - auch Präsident Poroschenko besuchte bereits einmal einen Verwundeten in Berlin im Krankenhaus. Foto: imago/Ukrainian News

Osnabrück. Ein Video sorgt im Internet für Diskussionen: Zu sehen sein soll darin, wie ein ukrainischer Soldat einen Hitlergruß zeigt. Die Szene hat sich in einem deutschen Krankenhaus abgespielt, in dem der Mann wegen seiner Kriegsverletzungen behandelt wird. Jetzt reagiert die russische Botschaft mit Kritik.

Das Video mit russischen Untertiteln und dem Logo der Deutschen Welle kursiert seit einigen Tagen im Internet. Zuerst hatten es russische Blogger, später das staatliche russische Nachrichtenportal Sputnik entdeckt. Zu sehen ist der Transport verletzter ukrainischer Soldaten in deutsche Krankenhäuser. In einer Szene läuft einer der Verletzten auf Krücken durch den Vordergrund, während im Hintergrund einer von vier weiteren Patienten auf einer Trage liegend einen Hitlergruß zeigen soll. So stellen es die russischen Kommentatoren dar.

Die russische Botschaft kritisiert das Video

Die Szene ist nur wenige Sekundenbruchteile zu sehen, dennoch schlägt sie hohe Wellen. Denis Mikerin, Sprecher der russischen Botschaft, teilte es in seinem Facebook-Profil mit den Worten: „Was sollen Nutzer von diesem Video auf DW halten?“

Es sei fragwürdig, ob das Verhalten des ukrainischen Soldaten mit der deutschen Gesetzgebung im Einklang stehe. Mikerin fordert in seinem Post „dringend Maßnahmen gegen Rechtsextremismus“ und Äußerungen auf „verschiedensten Ebenen“.

Tatsächlich ist es in Deutschland verboten, den Hitlergruß zu zeigen. Die Geste gilt als Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gegebenenfalls auch als Volksverhetzung. Ausnahmen gibt es nur, wenn der Gruß in künstlerischen oder wissenschaftlichen Kontexten gezeigt wird.

Verletztentransporte gibt es seit 2014

Der Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Hauptmann Matthias Wern, bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass es am 10. Juli einen entsprechenden Verletztentransport gegeben habe. „14 Patienten wurden mit einem Airbus aus Kiew ausgeflogen und nach Berlin und Hamburg gebracht“, so der Sprecher.

Seit 2014 wurden nach seinen Angaben insgesamt 117 Mitglieder der ukrainischen Armee zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Die Patienten würden vor Ort von einem deutschen Ärzteteam nach ihren Verletzungsmustern ausgesucht. „Die politische Einstellung überprüfen wir nicht. Dazu haben wir in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit“, sagte Wern im Hinblick auf die Vorwürfe der russischen Botschaft. Zu dem fraglichen Video selbst wollte er keine Angaben machen, da er zwar von seiner Existenz wisse, es aber selbst nicht gesehen habe.

Deutsche Welle wehrt sich gegen Vorwürfe

Anders Christoph Jumpelt, Sprecher der Deutschen Welle. Auf Anfrage unserer Redaktion verwahrte er sich „gegen den Vorwurf, dass wir so etwas (wie einen Hitlergruß, Anm. d. Red.) durchgehen lassen würden“. Er habe wegen des Videos Rücksprache mit den Reportern vor Ort gehalten. Das Ergebnis: „Die Geste ist in unseren Augen ganz anders zu deuten“, etwa als Begrüßung oder als Heranwinken eines Pflegers durch den verletzten Soldaten.

Jumpelt hat eine andere Erklärung für das große Interesse der russischen Seite für den Beitrag, der am 11. Juli auf der russischsprachigen Facebook-Seite der deutschen Welle veröffentlicht wurde. „Wir haben viele Zuschriften mit gleichlautenden Anfragen bekommen“, so der Sprecher. Das lege den Verdacht nahe, „dass irgendjemand ein Interesse daran hat, die Szene im Beitrag künstlich aufzubauschen.“


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